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Zehn Jahre Wiedereröffnung

Zur Geschichte des ehemaligen Landsitzes preußischer Staatsbeamter und seiner heutigen Nutzung


Am 29. April 1998 wurde im Schloß Britz der zehnte Jahrestag der Wiedereröffnung des Ensembles von Herrenhaus, Gruft, Park und dazugehörenden landwirtschaftlichen Gebäuden begangen, die in den Jahren 1985-1988 nach einer wechselvollen Geschichte von über 400 Jahren restauriert, remöbliert und instandgesetzt worden waren. Seit zehn Jahren wird das Herrenhaus mit den linksseitigen, im Stil des Historismus eingerichteten Zimmerfluchten sowie den nicht ausgestatteten, rechtsseitigen Räumen für vielfältige kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Konzerte genutzt.
   Die 1375 im Landbuch der Mark Brandenburg von Kaiser Karl IV. erwähnte Adelsfamilie Britzik, später Britzke genannt, war möglicherweise schon seit dem frühen Mittelalter in Britz ansässig und im Besitz eines Adelshofes, der sich auf der in den Kirchweiher hineinragenden Halbinsel befand, dem Britzer Kirchhügel, in unmittelbarer Nachbarschaft zur im 13. Jahrhundert errichteten Dorfkirche. Im frühen 16. Jahrhundert ist an der Stelle des heutigen Schlosses Britz ein weiterer Gutshof der Britzkes nachweisbar, auf dessen Fundamenten, nach einem Brand 1542, ein Fachwerkgebäude errichtet wurde. Während des Dreißigjährigen Krieges und auch danach gelangten große Anteile des Gutes an andere Eigentümer, von denen 1692 ein Teil von der Kurfürstlichen Amtskammer gekauft wurde. 1699 tauschte Kurfürst Friedrich III. (König Friedrich I.) diesen Erwerb bei seinem Amtskammerpräsidenten Samuel Chwalkowo Chwalkowski gegen dessen Vorwerk Seelibbe in der Uckermark. Noch im selben Jahr kaufte Chwalkowski die Anteile der letzten Erbin der Britzkes hinzu. Der aus Posen stammende und seit 1675 in brandenburgisch-preußischen Diensten stehende Wirkliche Geheime Etatsrat Chwalkowski machte sich vor allem als Oberdirektor des Domänen- und Finanzwesens verdient. 1705 starb er und wurde in der Parochialkirche beigesetzt. Sein Schwiegersohn, der Königliche Hofmarschall und Kapitänkommandant der Leibwache des Königs, Sigismund von Erlach, erwarb das Gut und die Anteile der letzten Mitbesitzer von Britz, den Erben des Kammergerichtsadvokaten Friedrich Müller. Bereits ein Jahr später ließ der Hofmarschall das übernommene Fachwerkgebäude durch ein standesgemäßes neunachsiges, zweigeschossiges Steinhaus ersetzen. Zugleich legte er hinter dem Gutshaus einen barocken Park mit gradlinigen Sichtachsen an. Grundformen beider Anlagen sind erhalten.
   1713 kaufte Friedrich Wilhelm Graf von Schwerin (1678-1727), Oberhofmeister der Königin Sophie Luise, Geheimer Rat und Mitglied des Staatsrates, das Gut. Sechs Jahre später erwarb der Geheime Rat und Staatsminister Heinrich Rüdiger von llgen (1654-1728) das Britzer Rittergut, das gleichzeitig vom Lehngut zum Allodialgut erklärt worden war. llgen soll eine der ersten nach Norddeutschland gelangten amerikanischen Robinien im Britzer Gutspark gepflanzt haben. 1937 abgestorben, wurde die Pseudo-Akazie erst 1953 gerodet. Der Kanzelaltar in der Dorfkirche, erst vor kurzem restauriert, ist eine Stiftung der Gemahlin llgens, Maria Lodovica, von 1720. Nach llgens Tod 1729 übernahm die Tochter Charlotte Luise das Gut im Erbkaufvergleich mit allen einem Gutsherrn zustehenden Rechten, dem Patronatsrecht, dem Schank- und Brauereirecht sowie der niederen Gerichtsbarkeit. 1758 kaufte ihr Schwiegersohn Ewald Friedrich Graf von Hertzberg (1725-1795) das Gut. Innerhalb weniger Jahre brachte er das Gut durch den klugen Separationsvertrag von 1764 (im Landesarchiv Berlin auf einer 1790 von David Gilly "copirten" und "rectificierten" Karte der Britzer Feldmark erhalten), durch Vierfelderwirtschaft, Stallfütterung, Seidenraupenzucht und den Bau der Sächsischen Landstraße (dem heutigen Britzer Damm) so zur Hochblüte, daß Friedrich Nicolai in der zweiten Auflage seiner "Beschreibung der Residenzstädte Berlin und Potsdam" von 1779 seinen Zeitgenossen einen Ausflug zur mustergültig geführten Domäne des Ministers empfahl.
   1770 hatte Hertzberg den gleichaltrigen Berliner Maler und Direktor der Akademie der Künste, Christian Bernhard Rode, mit der inneren Ausgestaltung des Herrenhauses beauftragt. Rodes Entwürfe zu den Malereien (mythologische Szenen und Themen, die sich auf das Britzer Landleben beziehen) sind größtenteils im Berliner Kupferstichkabinett erhalten, außerdem auch noch zwei von Rode für einen Raum der Beletage gemalte Supraporten mit der Darstellung des Kaisers und der Kaiserin von China. 1937 in die Berliner Gemäldegalerie gelangt und nach 1945 in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin in Dahlem ausgestellt, sind sie heute in der Studiengalerie der Gemäldegalerie am St. Matthäikirchplatz zu sehen. Hertzberg starb 1795 kinderlos. Er wurde in der von ihm 1766 hinter dem Chor der Gutskirche errichteten Familiengruft bestattet. Das Gut erbte sein Bruder Ernst Rudolf Graf von Hertzberg. 1809 erwarb dessen Schwiegersohn Johann Bernhard Freiherr von Eckardstein, Kammerherr und Legationsrat, das Britzer Gut, dessen Erben es 1824 an den ersten bürgerlichen Besitzer veräußerten, über ein Jahrhundert war also Schloß Britz fast ununterbrochen im Familienbesitz hoher preußischer Staatsbeamter, die im Bewußtsein der geographisch günstigen Lage von Britz zum nahegelegenen Berlin und Köpenick, das Gut nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen zu bewirtschaften und als gastlichen Ort mit ihren Familien oder königlichen Dienstherren zu genießen wußten.
   1824-1862 brachte der vermögende hugenottische Seidenhändler und Landwirt aus Leidenschaft, Johann Carl Jouanne (1800-1857), das Anwesen zu neuer Hochblüte. Er erneuerte die Wirtschaftsgebäude des Gutes sowie die von Hertzberg gegründete Dorfschule und gestaltete das Herrenhaus und den Park im Geschmack der Zeit um. Dabei wurde die barocke Innenausstattung des Hauses, die von Ch. Bernhard Rode bemalten Decken und Hertzbergs seidene Wandbespannungen zerstört, desgleichen die barocke Gartenanlage, die Klaus-Henning von Krosigk kürzlich in einer Schrift über den Britzer Gutspark als "typisch barocken Gutsgarten der Mark" analysierte, "der, dem holländischen Vorbild folgend, gleichermaßen von >Reichtum und Ertragsstreben< geprägt" in verschiedene additiv angeordnete Quartiere aufgeteilt war, und von dem nur die zentrale Lindenallee erhalten blieb. Von den Erben Jouannes erwarb der Königliche Geheime Archivrat Prof. Dr. Friedrich Adolf Riedel (1809-1872) das Rittergut 1862. Riedel, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und bekannt geworden durch sein Lebenswerk, den Novus Codex diplomaticus Brandenburgensis, eine 41 bändige brandenburgische Urkunden-Sammlung, war zugleich von 1850 bis zu seinem Tode Vorsitzender des "Vereins für die Rübenzuckerindustrie im Zollverein", des ältesten Industrieverbandes in Deutschland. 1865 verkaufte der Vielbeschäftigte das Rittergut, um sich auf seine Güter Hohen-schönhausen und Bürknersfelde zurückzuziehen.
   1865 bis 1924 war Gut Britz im Besitz der Familie des Bankiers und Fabrikanten Wilhelm August Julius Wrede (1822-1895). Ab 1880 ließ dieser das Herrenhaus und die Kirche nach den Entwürfen des Baumeisters Carl Busse (1834-1896) umfassend verändern: die Kirche im Stil der Neogotik, das Herrenhaus im Stil der Neo-Renaissance. Zu den Umbaumaßnahmen gehörte der Neubau eines Kirchturmes mit einer überproportional hohen Turmspitze, die im letzen Krieg zerstört wurde. Eine Rampe wurde bogenförmig bis an das erste Geschoß (Beletage) herangeführt, das frühere Erdgeschoß somit zum Souterrain, das zusätzlich von der Rampe verdeckt wurde. Die seeseitige Fassade erhielt u.a. ein neues, repräsentatives Mittelportal mit Balkon im Obergeschoß, die parkseitige einen zum horizontalen Barockbau asymmetrisch gesetzten, das Dach überragenden Treppenhausturm, der dem Gut zugewandte rechte Teil des Hauses einen Badanbau mit abschließender Glaslaterne, um nur die charakteristischen Architekturmerkmale des heutigen, vor Kriegsschäden bewahrten Schlosses Britz zu nennen. Dem Ensemble am Dorfanger fügte Wrede einen weiteren Schulbau hinzu, dem Gut einen Kuhstall und eine Dampf-Brennerei zur Gewinnung von Kartoffelschnaps.
   1924 verkauften die Erben Wredes das Gut an die Stadt Berlin. Das Herrenhaus wurde an drei Familien vermietet, das Gut als Stadtgut bewirtschaftet. Nach 1945 wurde Schloß Britz bis 1985 als Kinderheim genutzt. Seit 1953 war es im Besitz des Bezirksamtes Neukölln. In der Folgezeit griff man erheblich in die bauliche Substanz des Guts-Ensembles ein. 1959 wurde der Abriß der Schnapsbrennerei und der Kossäten-Häuser links neben dem Herrenhaus, auf dem Terrain des heutigen Rosengartens, beantragt und 1968 ausgeführt. Von der Brennerei sind nur noch der Schornstein sowie Teile der Umfassungsmauern erhalten. 1971 wurde Schloß Britz unter Denkmalschutz gestellt. 1985 richtete sich anläßlich der Bundesgartenschau das historische Interesse auf das Ensemble. Gemeinsam mit dem Bezirksamt Neukölln von Berlin, dem Landesdenkmalpfleger und der Gartendenkmalpflege begannen umfangreiche Befunduntersuchungen und die Restaurierungsarbeiten des Herrenhauses, des Gutsgartens und -hofes, die 1958 abgeschlossen wurden.
   In dieser Zeit finanzieller Engpässe müssen wir oft Notwendigkeiten der Erhaltung und Pflege zurückstellen bzw. immer wieder neue Wege suchen, um "unser Schloß" zu schützen und zu hegen. Hinzu kommt, daß die Erfüllung des Auftrags, kulturelle Angebote für den größten Bezirk Berlins, der auf diesem Gebiet unterversorgt ist, zu initiieren, uns bei einem auf null reduzierten Etat und einer nicht ausreichenden Personalkapazität fast unmöglich ist. Dennoch fühlen wir uns dem alten Geist des Hauses und auch einer alten Berliner Tugend - nämlich einfach anzupacken und mit Optimismus ans Werk zu gehen - verpflichtet.

Regina Stephan und Claudia Przyborowski
Regina Stephan ist Leiterin von Schloß Britz,
Dr. Claudia Przyborowski ist wiss. Mitarbeiterin im Schloß Britz.



Adresse:
Schloss Britz, Alt-Britz 73, 12359 Berlin (Neukölln)
Telefon: 030 - 609 79 23 0, Telefax: 030 - 609 79 23 39
Fahrverbindungen: U 7 Parchimer Allee und mit Anschluß M46 Britzer Damm/Tempelhofer Weg; M 44 Britzer Damm/ Tempelhofer Weg; 181 Britzer Damm/Mohriner Allee.




   
 
 
Stand: 06.12.2007  Impressum  Seitenanfang