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Zur Technik des Silhouettierens

Silhouettiert wurde durch Nachzeichnen des Profilschattens auf Papier. Da das Abzeichnen eines an der Wand abgeschatteten Bildnisprofils an der Wand unbequem war, wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts technische Verbesserungen entwickelt: zunächst durch das Silhouettierbrett. Dieses besteht aus einem Holzrahmen, in dem in ein Öl getränkter Papierbogen eingespannt ist. Der Rahmen wird senkrecht auf die Schulter des Abzubildenden gesetzt. Dessen Kopf wird seitlich nahe an das Papier gedrückt, damit der auf das Papier fallende Schatten eine möglichst scharfe Kontur hat und auf der Rückseite des transparenten Papiers abgezeichnet werden kann. Der Gießener Professor Julius Höpfner verbesserte dieses Prinzip. Er konstruierte einen Silhouettierstuhl, bei dem das Silhouettierbrett durch einen Glastafelapparat ersetzt und mit einer Kopfstütze verbunden wurde. Somit war das exakte Umreißen des Schattenbildes gewährleistet. Um eine Person ganzfigurig abzuschatten, benutzte man die Camera obscura, durch die der Körper auf einen zum Abzeichnen geeigneten Maßstab gebracht wurde. Zur maßgerechten Verkleinerung des Schattenrisses nahm man das Fadennetz zu Hilfe oder den 1631 von Christoph Scheiner erfundenen Storchenschnabel (Pantograph), der eine beliebige Größenveränderung ermöglichte.


Sichere und bequeme Maschine für den Silhouettenriss

Hier der Charakter, den ich der Silhouette jener jungen Person zuschreiben würde. Ich finde darin Güte ohne allzuviel Scharfsinn; Klarheit in den Gedanken und rasche Auffassungsgabe; einen sehr geschickten Geist, der keineswegs von einer lebhaften Einbildungskraft beherrscht wird und sich kaum an eine ängstliche Genauigkeit hält. In der Kopie [dem Schattenbild] findet man keine Spur des heiteren Charakters wieder, der vom Original ausgeht; dagegen hat die Nase in der Silhouette gewonnen, sie drückt dort eine größere Feinheit aus.]

Johann Rudolf Schellenberg (1740-1806) Der Silhouetteur beim Abnehmen des Schattens einer jungen Frau am Silhouettierstuhl, Radierung mit Charakterkommentar, aus einer Ausgabe von Lavaters "Physiognomischen Fragmenten".

Durch die Erfindung des Silhouettierstuhls gelang es, den flüchtigen Schatten, der als Sinnbild des Todes und der Vergänglichkeit galt, zu bannen. Der Züricher Geistliche und Physiognom, Johann Caspar Lavater vertrat die Auffassung, dass der Schatten des Menschen Wesenszüge offenbare, die dem sonst dreidimensionalen Sehen verborgen bliebe. Die Seele des Porträtierten schwebe auf der Profillinie auf und ab und enthülle dort das Charakteristische eines Menschen. Die von Lavater leidenschaftlich gesammelten, von namhaften Silhouetteuren, Zeichnern und Radierern zur Verfügung gestellten Silhouetten dienten Lavater als wissenschaftlicher Untersuchungsgegenstand. Ausgiebig kommentiert veröffentlichte er sie von 1775-1778 in seinen berühmten "Physiognomischen Fragmenten".

Literatur: Christa Pieske, Schattenrisse und Silhouetteure, Offenburg (Baden) 1963, S. 13 ff; Claudia Schmölders, Profil en face. Über Lavaters Theologie der Schattenrisse, in. Ausstellungskatalog SchattenRisse, Städtische Galerie im Lembachhaus, München 2001, S.37 ff.




Stand: 09.07.2006 Impressum  Seitenanfang