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Lotte Reiniger (1899 - 1981)

Schon als Schülerin beschäftigte sich die geborene Berlinerin mit Silhouetten und dem Schattentheater. Beeindruckt von den frühen Filmen Paul Wegeners, wollte sie Schauspielerin werden und besuchte die Max-Reinhardt-Schule am Deutschen Theater Berlin. Ein selbstgebastelter Tricktisch und das im Jahr 1907 in Amerika erfundene Verfahren, mit der Kamera Einzelbilder aufnehmen zu können, wurden fortan ihre Arbeitsmittel. Durch Paul Wegener kam Lotte Reiniger an das Institut für Kulturforschung zu Dr. Hans Curlis und Carl Koch, ihrem späteren Mann. Dort entstand 1919 ihr erster eigener Film "Das Ornament des verliebten Herzen". Nach Werbefilmen für Julius Pinschewer folgten mehrere Märchenverfilmungen, u.a. "Aschenputtel" (1922), der als Stummfilm noch erhalten ist. Von 1923 bis 1926 arbeitete Lotte Reiniger in Berlin zusammen mit Carl Koch, Walther Ruttmann und Berthold Bartosch an ihrem berühmtesten Werk, das als erster abendfüllender Trickfilm in die Filmgeschichte einging: "Die Abenteuer des Prinzen Achmed". Dieser Film wurde im Verlag Wasmuth, Berlin/Tübingen auch als Buch verlegt. Gleich zu Beginn des Dritten Reiches kehrte Lotte Reiniger Deutschland den Rücken "weil mir diese Hitlerveranstaltung nicht paßte und weil ich sehr viele jüdische Freunde hatte, die ich nun nicht mehr Freunde nennen durfte". Im Jahre 1936 verließ sie Deutschland und ging nach London. 1943 kehrte sie noch einmal nach Berlin zurück. Da es 1945, nach Kriegsende, kaum Möglichkeiten zum Filmen gab, inszenierte sie für die "Berliner Schattenbühne" mit ihrer Freundin Elsbeth Schulz die Märchen "Brüderchen und Schwesterchen", "Gestiefelter Kater" und "Dornröschen". 1949 zog sie endgültig nach London. Lotte Reiniger machte nicht nur eigene Filme, sondern arbeitete auch an Filmen anderer Regisseure mit. Hauptsächlich gestaltete sie aber eine ganze Reihe von Filmen nach den Märchen der Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen und den Geschichten aus Tausend-und-einer-Nacht. Ihre Grimm-Interpretation "Das tapfere Schneiderlein" gewann 1955 bei der Biennale Venedig den "Silbernen Delphin" (1. Preis für Kurzfilme). Im gleichen Jahr entwickelte sie die ersten Silhouettenfilme mit farbigem Hintergrund. Ihr Mann Carl Koch arbeitete bis zu seinem Tod im Jahr 1963 bei der Herstellung ihrer Filme mit.

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Lotte Reiniger, Max Werner Rokoko Suite, II. Satz,
Ausschnitt, 1922, Originalscherenschnitt, Privatbesitz, Limburg

1969 besuchte Lotte Reiniger auf Einladung des Kommunalen Kinos Frankfurt am Main (Walter Schobert) und des damaligen Arbeitszentrums Jugend Film Fernsehen München (Hans Strobel) Deutschland zum ersten Mal seit ihrer Emigration, was zu einer Wiederentdeckung ihres Filmschaffens in der Bundesrepublik und zu späten Ehrungen (1972 Filmband in Gold; 1979 Bundesverdienstkreuz) führte. Neben ihren Filmproduktionen unternahm sie bis ins hohe Alter immer wieder Vortragsreisen. Lotte Reiniger starb 82jährig im Juni 1981 in Dettenhausen bei Tübingen, wo sie die letzten Monate bei der Pfarrersfamilie Happ verbrachte, die sich wie sie dem Schattenspiel widmet. Ihr Nachlaß befindet sich im Stadtmuseum Tübingen.

Christa Weber     

Literatur: Christel Strobel/Hans Strobel: Lotte Reiniger, 1993




Stand: 09.07.2006 Impressum  Seitenanfang