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 Die Entwicklung des Scherenschnittes

105 v. Chr.

Erfindung des Papiers in China, Voraussetzung für die Ausschneidekunst in Asien, sie kam dort zu hoher Blüte.
11. JahrhundertSchattentheater in Deutschland bekannt, nachweislich in China, Japan, Ceylon (Sri Lanka) und Java vor 2000 Jahren
14. / 15. JahrhundertAndachtsbilder mit Heiligendarstellungen entstanden in Klöstern Süddeutschlands, darunter auch das Spitzenbild. Nadelstichbilder waren ornamentale Ausführungen, welche mit feinen Nadeln gestochen wurden.
1582Die Zunft der Papierschnitzer wird in Persien und der Türkei erwähnt.
16. / 17. JahrhundertErste Weiss-Schnitte entstehen aus Pergament als Gedenk-und Stammbuchblätter mit religiösem und weltlichem Inhalt.
18. JahrhundertSilhouettieren war an den Höfen ebenso beliebt wie in bürgerlichen Kreisen. Aus dem Porträtschnitt entwickelte sich der Figurenschnitt: Einzelfiguren und Figurengruppen mit Gegenständen des Alltags ergänzt, bestimmen das Genrebild.
19. JahrhundertDer Illustrationsschnitt nahm einen wichtigen Platz in der gedruckten Literatur ein. In der Zeit des Jugendstils wurden alle Formen des Papierschnittes angewendet.
20. JahrhundertIm 1907 gegründeten "Werkbund" und durch die Schriftenreihe "Kunstwart" wurden die Arbeiten von Scherenschneidern aus Vergangenheit und Gegenwart publiziert. In München und Berlin kam es in den 20er Jahren zu einer Neubelebung des Schattentheaters. Gestanzte Scherenschnitte aus industrieller Fertigung trugen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu einer weiteren Verbreitung bei.
 
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 17. /18. Jahrhundert

Andachtsbild

Seit dem 17. Jahrhundert ist der Scherenschnitt in Deutschland nachweisbar. Ihm ging das religiöse Andachtsbild voraus. Es hat seinen Ursprung im 14. und 15. Jahrhundert und wurde in Klöstern angefertigt. Es zeigt gemalte Heiligendarstellungen auf Pergament oder Papier sowie handkolorierte Holzschnitte. Eine spezielle Art des Andachtsbildes ist das "Spitzenbild". Um religiöse Darstellungen herum ordnete man kunstvoll gestaltetes, filigran geschnittenes Rankenwerk an, das an textile Spitze erinnert.
StammbücherDer Papierschnitt war bereits im 16. Jahrhundert in den Stammbüchern des Adels beliebt, ab dem 17. Jahrhundert aber auch unter dem Bürgertum und in der Studentenschaft.
Weiss-SchnitteWappenschnitte, allegorische Darstellungen, Gedenk- und Albumblätter, Jagd- oder ländliche Szenen.
ScherenschneiderRudolph Wilhelm von Stubenberg (1643-1677) und Susanna Mayr (1600-1674) waren die frühesten bekannten deutschen Künstler.
VerbreitungÜber den Orient bis in die Niederlande
SilhouetteSeit Ende der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts in Deutschland bekannt. Benannt nach Etienne de Silhouette (1709-1767), Fi­nanzminister Ludwig des XV., der 1756 drastische Sparmaßnahmen einführte. Die Bezeichnung Silhouette war ursprünglich als Spottname für alles Billige und Einfache verbreitet, wurde 1835 zum Sammelbegriff für den Scherenschnitt.
TechnikenSilhouettiert wurde durch Nachzeichnen des Profilschattens auf Papier. 1631 erfand Christoph Scheiner den Pantograph (Storchenschnabel), der eine beliebige Größenveränderung ermöglichte. Der Silhouettierstuhl, von Prof. Julius Höpfher im 18. Jahrhundert entwickelt, verbesserte die technischen Möglichkeiten. Sowohl der Positiv-, als auch der Negativschnitt kamen zur Anwendung.
PublikationenDer Schweizer Theologe und Gelehrte Johann Caspar Lavater (1741-1801) versuchte in dem Werk "Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe" (1775-1778), aus dem Schattenprofil eines Menschen Rückschlüsse auf dessen Charakter zu ziehen.
  
 18. Jahrhundert

Schattenrisse

Sie kamen in Mode, besonders weil sie die Ausführung kostspieliger Schmuckbilder ersetzten.
BildnisseVon England ausgehend waren sie bald in ganz Europa verbreitet.Später gewann die Einzelfigur gegenüber dem Porträt zunehmend an Bedeutung.Durch die Anordnung mehrerer Personen zu Figurengruppen, die mit Gegenständen aus dem täglichen Leben in Beziehung gesetzt wurden, entstand das Genrebild. Vorwiegend schnitt man Familienszenen, die auf einem farbigen Hintergrund platziert wurden.Dem Inhalt nach wurden typische Szenen aus dem Leben der bürgerlichen Gesellschaft wiedergegeben.
In der Ausstellung vertretene Künstler H. G. B[o]urmester, seit 1770 Hof-Silhouetteur und Graveur in Berlin
Daniel Chodowiecki (1726-1801), Maler, Zeichner, Radierer
Samuel Mohn (1761-1815), Sühouetteur, Porzellanmaler an der KPM Berlin
VerbreitungGegen geringes Entgeld konnte man sich von umherziehenden Silhouetteuren portraitieren lassen.Von Fürstenhöfen bis hin zu allen Schichten der Bevölkerung erreichte die Kunst eine hohe Popularität. Die Silhouette fand auch Verbreitung auf Porzellangegenständen, Medaillons und als Möbeleinlage. Um 1780 erlangte die Kunst ihren Höhepunkt. Es entstanden bedeutende Sammlungen in Darmstadt, Eisenach, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, Weimar und Berlin.
 
19. Jahrhundert

Entwicklung

Neben der allgemeinen technischen Entwicklung erlangten auch Wissenschaft und Kunst eine größere Bedeutung. Die Lithographie (1797), später Farblithographie und die Erfindung der Fotografie (1835) sorgten für einen großen Aufschwung im grafischen Bereich.
IllustrationsschnittZuerst in der gesamten gedruckten Literatur, aber auch biblische Inhalte, Reiseeindrücke, Gedenkdarstellungen, Liebesbeweise werden in Scherenschnitte umgesetzt und stilistisch beeinflusst vom Klassizismus und der Romantik.
BilderbogenAngelehnt an mittelalterliche Blätter, von Briefmalern gestaltet, später in Holz geschnitten und gedruckt, erfuhr diese Kunst eine Wiederbelebung um 1850 von München ausgehend. Geschnittene Darstellungen beinhalten u.a. Szenen aus dem Volksleben, Sittenbilder, religiöse Darstellungen und Kuriositäten, Andachtsbilder und Wandschmuck.
In der Ausstellung vertretene KünstlerRosa Maria Assing, geb. Varnhagen von Ense (1783-1840), Botanikerin, Pädagogin, Schriftstellerin, Scherenschnittkünstlerin
Karl Varnhagen von Ense (1785-1858), Publizist, Diplomat, Schriftsteller, Scherenschnittkünstler
Karl Fröhlich (1821-1898), Buckdrucker, Schriftsteller, Buchillustrator, Scherenschnittkünstler
Adolf Tannert (1839-1913), Buchbinder, Buchdrucker, Lithograph, Scherenschnittkünstler
Paul Konewka (1840-1871), ausgebildeter Bildhauer, Maler u. Graphiker; Buchillustrator, Scherenschnittkünstler
Johanna Beckmann (1868-1941), Porzellanmalerin an der KPM Berlin, Botanikerin, Buchillustratorin, Scherenschnittkünstlerin
Otto Wiedemann (1869-1917), Tiermaler, Konzert-Silhouetteur, Kaiserlicher Hof-Silhouetteur, Scherenschnittkünstler
  
 20. Jahrhundert

Impulse

Zu Beginn dieses Jahrhunderts gab der Jugendstil künstlerische Impulse in ganz Europa. Auch der Scherenschnitt wurde wesentlich beeinflusst. Alle bekannten Techniken fanden Anwendung, farbige Papiere wurden eingesetzt. Eine Neuauflage erlebte auch das Schattentheater: Lotte Reiniger (1899-1981), Ernst Moritz Engert (1892-1986)
PublikationenMappenwerke, Postkarten und Kalender erschienen der Schriftenreihe "Jugend" und "Kunstwart" publizierten Werke zeitgenössischer Künstler. Der "Werkbund" organisierte unter anderem Scherenschnittausstellungen. Als erste Gesamtübersicht zum Thema Scherenschnitt erschien 1916 das Buch "Deutsche Schatten- und Scherenbilder aus drei Jahrhunderten" von Martin Knapp.
 
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In der Ausstellung vertretene KünstlerLotte Nicklass (1880-1921), Scherenschnittkünstlerin
Käthe Wolff (1882*), Graphikerin, Scherenschnittkünstlerin
Marte Landsberger-Sachs (1885*), Malerin, Scherenschnittkünstlerin
Wilhelm Repsold (1885-1969), Bildhauer, Keramiker, Modellfertiger für die KPM Berlin, Scherenschnittkünstler
Melchior Grossek (1889-1967), Seelsorger und Prälat, Scherenschnittkünstler
Ugo Mochi (1890-1977), Tierbildhauer, Zeichner, Schriftsteller, Scherenschnittkünstler
Carlos Tips (1891- vor 1951), Graphiker, Bühnenbildner, Kunstgewerbelehrer, Scherenschnittkünstler
Ernst Moritz Engert (1892-1986), Theater- u. Pressezeichner, Journalist, Filmschattenbildner, Scherenschnittkünstler
Lotte Reiniger (1899-1981), Scherenschnittkünstlerin, Schattenbildfilmerin, Trickfilmerin
IndustrieNach 1920 wurden Scherenschnitte in Stanzereien in großer Stückzahl und zu niedrigen Preisen hergestellt. Bevorzugte Motive waren Darstellungen in Anlehnung an die Romantik.

Texte: Scherenschnittmuseum Schloss Lichtenwalde / Kulturstiftung Schloss Britz




Stand: 09.07.2006 Impressum  Seitenanfang