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Johanna Beckmann (1868-1941)

Johanna Beckmann wurde am 3.5.1868 in Brüssow (Uckermark) geboren. Ihr Vater, Wilhelm E. J. Beckmann (1837-1892), war damals Pächter oder Besitzer des Gutes Butterholz bei Brüssow. Die Mutter Charlotte M. Beckmann geb. Bergell (1836-1920) stammte aus dem Domanialgut Quastenberg bei Stargard in Mecklenburg-Strelitz. Bald muss die Familie dorthin umgezogen sein, denn in Stargard verbrachte Johanna Beckmann ihre Kinder-und Jugendzeit. Im April 1886 nahm sie eine Berufsausbildung in Berlin auf. Wir finden sie als Schülerin an drei bekannten Kunstschulen, zuerst an der Unterrichtsanstalt des Königlichen Kunstgewerbemuseums, danach wechselte sie an die Königliche Kunstschule über und schließlich legte sie 1889 an der Zeichenschule des Lette-Vereins das Examen als Zeichenlehrerin ab. Nur kurze Zeit arbeitete sie als Zeichenlehrerin in Stettin und Berlin. Bereits im November 1891 begann Johanna Beckmanns Arbeitsleben als Gestalterin und "Silhouetten-Malerin" an der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin. Hier verbrachte sie über zwanzig anstrengende, aber auch erfolgreiche berufliche Jahre. Schon als Kind hatte sie sich dem Scherenschnitt gewidmet und entwickelte in dieser grafischen Technik eine solche Meisterschaft, dass sich namhafte Berliner Galeristen für ihre Scherenschnittbilder interessierten. 1895/96 stellte sie beispielsweise in dem renommierten Kunstsalon von Eduard Schulte aus.

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Johanna Beckmann, Gefangene Seele,
Illustration zu "Das Feuer" (Teil II.),
Stiftungsverlag o.J. [1910/1929]

Weitere Ausstellungen folgten, u.a. in Hamburg, Dresden, Karlsruhe. Auch mit Mustervorlagen für kunstgewerbliche Heimarbeiten - veröffentlicht in Zeitschriften und Fachbüchern - machte die Künstlerin auf sich aufmerksam. Sie arbeitete für mehrere Kunst-, Familien- und Jugendzeitschriften, u.a. für "Westermanns Monatshefte" oder "Über Land und Meer". Um 1900 gewann der bedeutende Landschaftsgärtner, Fachschriftsteller und Herausgeber Max Hesdörffer die vielseitige Künstlerin und kenntnisreiche Botanikerin für die Mitarbeit an seiner weit verbreiteten Fachzeitschrift "Die Gartenwelt". Johanna Beckmann gestaltete hier mit kühnem, breitem Pinselstrich, der so gar nichts mit ihren grazilen Scherenschnitten gemeinsam hat, farbige Abbildungen und Tafeln.

Während ihrer schöpferischsten Jahre konnte sich Johanna Beckmann großer Beliebtheit erfreuen. Viele zollten ihrem Werk Anerkennung. Sie erhielt 1913 das begehrte Rom-Stipendium und verbrachte einige Wochen in der Villa Falconieri in Frascati bei Rom, besuchte Florenz und Venedig. Jahre vorher (1906) führte sie eine Studienreise nach Schottland, Island und Norwegen.

Obwohl sie seit 1886 fast ununterbrochen in Berlin lebte, ist aus ihr nie eine wirkliche Großstädterin geworden. Nichts war vergleichbar mit Burg Star-gard, ihrer Zuflucht im Mecklenburgischen. Hier erwartete sie ihr treuestes und dankbarstes Publikum - die Kinder. Aber sie wendete sich in ihren 30 Büchern, die seit 1905 in rascher Folge erschienen, auch an erwachsene Leser. Ihre lebens- und naturphilosophischen Botschaften kleidete sie in Gedichte oder kurze Prosatexte und illustrierte sie mit ihren Scherenschnitten.

Der Erste Weltkrieg unterbrach ihre erfolgreiche künstlerische Karriere. Trotz aller Bemühungen - von 1920 bis 1929 erschienen immerhin neun neue Bücher gelang es ihr nur bedingt, an die Erfolge der Vorkriegszeit anzuknüpfen. So waren ihre letzten Lebensjahre von materieller Not und vom Vergessensein belastet.

Johanna Beckmann verstarb am 8. Februar 1941 in Berlin. Auf dem städtischen Friedhof in Burg Stargard wurde sie am 13. Februar beigesetzt. Hier ist ihre Grabstätte noch heute vorhanden.

Gudrun Mohr     

Literatur: Gudrun Mohr, Die Meisterin des Scherenschnitts Johanna Beckmann, ein Künstlerleben zwischen Historismus, Jugendstil und Naturphilosophie. Friedland 2000




Stand: 09.07.2006 Impressum  Seitenanfang