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Lithophanien: Die Welt des Biedermeier im Porzellanbild

Zur Entwicklungsgeschichte der Lithophanie in der KPM

 
 

"Vergiß mein nicht!",
nach einem Gemälde
von Heinrich Wilhelm Schlesinger (1814-1893)
Lithophanieplatte in originaler Bleiverfassung
Porzellan, Blei, Glas: 23,8x18,8 cm
KPM 403, um 1855, Berlin, Privatbesitz


"Das Landmädchen, nach Meyerheim"
nach einem Gemälde
von Eduard Meyerheim (1808-1879)
Lithophanieplatte in originaler Bleiverfassung
Porzellan, Blei, Glas: 24,5x18,7 cm
KPM 384, um 1855, Berlin, Privatbesitz


Bei der Lithophanie (griech. = durchscheinender Stein) handelt es sich um ein Relief aus Biskuitpor-zellan, das im Durchlicht betrachtet wie eine feine Graphik wirkt. Dünne Schichten des Porzellanmaterials mit einer hohe Lichtdurchlässigkeit erzeugen helle Bildflächen, dicke Materialstellen mit einer geringen Lichtdurchlässigkeit verursachen dunkle Bildpartien. Die Abstufung von Licht und Schatten und deren feinste Nuancierungen ergeben den Eindruck eines Schabkunstblattes. Baron Charles de Bourgoing gilt als Erfinder der Lithophanie. Seine erste Produktion ist in einem Preis-Courant von 1827/28 der Manufacture de Lithophanie in Paris, Rue de Richelieu No.767 belegt. Bourgoing unterhielt enge Kontakte zur berühmten Porzellanmanufaktur Sevres und dessen Direktor Alexandre Brongniart. Dieser wiederum war mit Georg Christoph Frick (1781-1848) befreundet, der seit 1797 in der Königlichen Porzellanmanufaktur Berlin tätig war und ihr von 1832 bis 1848 als Direktor vorstand. Von Brongniart muß Frick umgehend von der Lithophanie-Erfindung erfahren haben. Bereits 1828 wurden von der KPM Berlin und der Manufaktur Meißen Raubkopien, d.h. Abgüsse von Bourgoings Lithophanien angeboten.

 

"Himmelfahrt Christi,
Altargemälde zu Dresden",
nach einem Hochaltargemälde
von Anton Raffael Mengs
(1728-1779)
Lithophanieplatte in
originaler Bleiverfassung
Porzellan, Blei, Glas:
33,2x17,8 cm
KPM 119, um 1838
Berlin, Privatbesitz
   

Baron Charles de Bourgoing blieb wenig Ruhm von seiner publikumswirksamen Erfindung. Innerhalb von wenigen Jahren erreichte Frick durch technische Neuerungen (Verfeinerung der für Lichtschirme bestimmten Porzellanmasse durch einen erhöhten Anteil an feingemahlenem Speckstein; verbesserte Öfen, die eine geringere Brenntemperatur zuließen) eine Qualität, die ihn zum Marktführer und zum Vorreiter der Lithophanieproduktion in Europa machte. Seine begehrten Lichtschirmbilder, deren graphische Vorlagen er zur Produktion eigenhändig auswählte (bereits 1832 konnte Frick den Käufern ein ausgefeiltes Angebot von Lithophanie-Platten mit 87 unterschiedlichen Bildthemen, vorzugsweise Galeriebilder mit Landschaften, präsentieren), wurden unter der englischen Bezeichnung "Berlin Transparencies" berühmt. Ihre Produktion wurde 1861/62 in der KPM eingestellt. Die Lithophanien aus der KPM Berlin wurden wiederum von anderen deutschen Manufakturen kopiert. Der größte Konkurrent der KPM war zunächst Meißen (Produktionsende um 1860), dann Plaue in Thüringen (Produktionsbeginn 1849; Rückgang ab 1900; Neubeginn 1945). Aus Plaue stammt das größte Produktionsvorkommen überhaupt. Einerseits stellte die im Vergleich zur KPM eher kleine Manufaktur über einen viel längeren Zeitraum Lithophanien her. Andererseits nahm sie neben der großen Themenvielfalt des Biedermeier (zumeist Kopien der erfolgreichen KPM-Motive) auch neue Bildmotive des ausgehenden 19. Jhs. auf. Auch wenn die Lithophanie im 19. Jh. ein großer Verkaufserfolg gewesen war, büßte das transparente Porzellanbild um 1900 an Beliebtheit erheblich ein, weil man den Modeartikel jener vergangenen Zeitepoche generell als zu sentimental, süßlich und überladen empfand. Heute hat die Lithophanie, die als wichtiges Zeugnis der Geschmackskultur des 19. Jhs. geschätzt wird, längst wieder viele Liebhaber gefunden.

 

"Das Lesekabinett", nach einem Gemälde von
Johann Peter Hasenclever (1810-1835),
aus der Nationalgalerie Berlin
Lithophanieplatte, Porzellan: 15,2x19,7 cm
KPM 728, um 1860, Berlin, Privatbesitz


Lit.: Rather-Pliquet, Kirsten Dorothee, Die Lithophanien der KPM Berlin (1828-1865). Ein Beitrag zur Porzellangeschichte des 19. Jahrhunderts. Dissertation Universität Hamburg, Hamburg 1993.



Stand: 06.07.2003  Impressum  Seitenanfang