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Fassade des linken Flügels vom Alexander-Palast mit dem Privateingang der kaiserlichen Familie
Fassade des linken Flügels vom Alexander-Palast mit Privateingang
der kaiserlichen Familie - Photographie Anfang 20. Jh.
Zarskoje Selo - Moskau, Staatliches Historisches Museum


Die politische Situation in Rußland zur
Regierungszeit von Nikolaus II. 1894-1918

Spätestens seit Mitte des 19. Jhs. verfolgten russische Revolutionäre radikal ihr Ziel, die Autokratie der Zaren unwiederbringlich abzuschaffen. Dieses Ziel schien ihnen nur erreichbar durch das leibliche Auslöschen der Zaren und deren Familienangehörigen. Versuche der Zaren Reformen einzuführen wurden sowohl von den Adeligen als auch von den Revolutionären boykottiert. Die einen sahen ihre Privilegien in Gefahr, die anderen ihre revolutionäre Zielsetzung verzögert. Unentwegt von Attentaten bedroht zogen sich Generationen von Zarenfamilien in ihr Privatleben zurück und setzten sich zwangsläufig einer gesellschaftlichen Isolierung aus, die dazu führte, dass brennende gesellschaftspolitische Probleme zu spät in das Bewußtsein der Zaren drangen. Den letzten Zaren traf der seit Generationen angestaute Zorn der Revolutionäre mit elementarer und unerbittlicher Wucht. Überrascht von dem unerwartet frühen Tod seines Vaters Alexander III, tritt der junge Zar Nikolaus II. völlig unvorbereitet die Lenkung eines Riesenreiches an, mit seinen speziellen sozialen und ökonomischen Verhältnissen mit den unlösbaren innen- und außenpolitischen Problemen, nur geleitet vom politischen Vermächtnis des Vaters: strikte Einhaltung der Neutralität und Erhaltung der Autokratie. Zunächst war der Unerfahrene auf den Rat seiner Mutter, Kaiserin Maria Feodorowna, später auf den seiner Minister angewiesen, wobei er aufgrund seiner Unentschlossenheit zwischen reaktionärer und fortschrittlicher Politik hin und her schwankte.

Auf die Rückständigkeit seines Landes reagierte Nikolaus II, beraten von seinem reformfreudigen Finanzminister Sergei Witte mit einer Agrareform (Umverteilung des Landes zur Besserstellung der Bauern) und einer forcierter Industrialisierungspolitik (u.a. Ausbau der Transsibirischen Eisenbahn, um das östliche Sibirien zu erschließen). Beides setzte eine ungeheure soziale Dynamik frei. Der drohenden sozialen und politischen Instabilität in den Städten und auf dem Lande wirkte der Zar durch zentralistische Führung, durch Russifizierung der Randgebiete und - nach einer neuen Welle von Attentaten, 1901- durch rigoroses Vorgehen gegen Anarchisten entgegen. Durch die Stärkung reaktionärer Kräne erhielten die Revolutionäre und die oppositionelle Bewegung immer mehr Zulauf Als 1905 eine Delegation von Arbeitern und Oppositionellen eine Petition mit Forderungen nach wirtschaftlicher Besserstellung, Parlamentarisierung des Reiches und Trennung von Staat und Kirche einreichen wollten, wurde die Demonstration ohne Wissen des Zaren blutig niedergeschlagen („Blutsonntag"). Dies hatte zur Folge, dass der Zar eine neue Verfassung mit der Verbriefung bürgerlicher Rechte und ein gesetzgebendes Parlament (Reichsdoma) bewilligen musste.

Zur gleichen Zeit versuchte der Zar imperialistische Ziele in Fernost zu verwirklichen, die mit einer verheerendem Niederlage im russischjapanischen Krieg 1904/05 und mit einer Hungersnot und Kriegsmüdigkeit in Rußland endeten: 1896 hatte Rußland einen Geheimvertrag mit China geschlossen, 1897 erhielt es die chinesische Hafenstadt Port Arthur [Lüta], 1900 half es den chinesischen Boxeraufstand zusammen mit anderen europäischen Truppen niederzuschlagen, 1903 plante es Korea und Mandschurei zu erobern und wurde schließlich 1904 von den Japanern in Port Arthur überfallen.

In Europa war Nikolaus II. um Erhalt seiner Neutralität bemüht. 1898 rief er zur allgemeinen Abrüstung und zur Erhaltung des internationalen Friedens auf: an seinem Geburtstag wurde ihm zu Ehren die Erste Haager Friedenskonferenz eröffnet, auf der die Abrüstung, das internationale Kriegsrecht und das Schiedsgericht geregelt wurden. Nach der Jahrhundertwende schloß der Zar Freundschaftsund Nichtangriffspakte: 1903 mit Österreich, 1905 mit Deutschland, 1907 mit England, und 1908 die Tripelallianz mit Frankreich und England. Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Serbien erklärte Österreich und Deutschland 1914 dem mit Serbien befreundeten Russland den Krieg. Deutschland nutzte die revolutionären Strömungen in Russland für sein Ziel aus, das große russische Reich durch einen Bürgerkrieg und Umsturz zu zerschlagen. Ab 1915 finanzierte das Deutsche Außenministerium unter strikter Geheimhaltung die Organisation der von Lenin und Parvin gelenkten Russischen Revolution, die 1917 zur Abdankung und zur Arretierung des Zaren führte, der vergebens darauf hoffte, als Privatier mit seiner Familie in Rußland leben zu dürfen. Das englische Königshaus zog seine bereits bekundete Bereitschaft zur Aufnahme der russischen Verwandten zurück, die Weiße Armee ließ man bewußt im Stich, um eine Wiedererstarkung Russlands zu vermeiden. Frankreich und Dänemark verhielten sich gleichgültig. 1918 brachten die Bolschewiki die Parlamentarische Republik Russland zu Fall und veranlassten die Ermordung der Zarenfamilie.




Stand: 06.07.2003  Impressum  Seitenanfang