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Wiener Textilindustrie und "Wiener Modenzeitung" (1816-1848):
Ihre Bedeutung für die Wiener Modekultur
 

Zwischen 1815 und 1848 etablierte sich in Wien eine eigenständige, von Paris weitgehend unabhängige Modekultur. Die textilverarbeitende Industrie und die Zeitschrift "Wiener Modenzeitung" war wesentlich daran beteiligt.

Bild vergrößern ... Die gesamte textilverarbeitende Industrie in und um Wien unterlag in der ersten Hälfte des 19. Jhs. epochalen technischen Umwälzungen. Die Seidenindustrie siedelte aus politischen und ökonomischen Erwägungen in die Vororte Wiens um. Tausende Männer, Frauen und Kinder! arbeiteten dort in den Fabriken oder als unselbstständige Heimarbeiter. Seidenfabrikanten wie Christian Georg Hornbostel erlangten großen Wohlstand. Der Einsatz neuer Produktionstechniken bzw. Verfahren wie die selbstwebenden Stühle, die Jacquardwebstühle (Frankreich 1805) zur Herstellung komplizierter Stoffmuster und das 1817 von dem Wiener Seidenzeugmacher Paul Mestrozzi entwickelte Flammierungsverfahren ermöglichten nach 1820 den konjunkturellen Aufschwung dieser Branche. Die Einbeziehung der oberitalienischen Provinzen in das Zollgebiet der Monarchie gewährleistete die Rohstoffversorgung. Die Baumwollindustrie hatte bereits während der Jahrhundertwende auf die Mechanisierung der Spinnerei umgestellt. 1814 existierten zwölf bedeutende Baumwollspinnereien. Aber auch das Engagement Kaiser Franz I. setzte Impulse für die Wiener Modeindustrie. Die unter seiner Schirmherrschaft 1835 in der Hofburg veranstaltete "Gewerbeproduktionsausstellung" war für die Wiener Unternehmen und die Wiener Mode ein großartiger Erfolg. Als Leistungsschau gedacht, würdigte er die besten Aussteller mit goldenen, silbernen und bronzenen Medaillen. 1840 hatte sich auf beiden Produktionsgebieten der Wandel von der Klein- zur Großindustrie vollzogen. Vor und nach der Revolution 1848 erschütterten dann die politischen Verunsicherungen, die Abwanderung des Adels und die Umsiedelung kapitalkräftiger Unternehmen die textilverarbeitende Industrie.

Bild vergrößern ...Zur Ausbildung einer eigenständigen Wiener Modekultur trugen aber nicht zuletzt die berühmten Wiener Damenschneider, wie Friedrich Bohlinger (Hoflieferant), Gottfried Röhberg, Thomas Petko und Joseph Georg Beer, und ihr Veröffentlichungsorgan die "Wiener Modenzeitung" (1816-1848) bei, die von Johann Schickh, Besitzer einer Modewarenhandlung, herausgegeben wurde. Möglicherweise war dieser Schickh namensgebend für den Ausdruck "schick" im Zusammenhang mit Mode. 1817 nannte er das Blatt in "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" um. In den 33 Jahren ihres Erscheinens wurden die neuesten Modelle der Wiener Damenschneider in über 1700 handkolorierten Modeblättern veröffentlicht. Zeichner waren der Maler Johann Nepomuk Ender (1793-1854) und Philipp von Stubenrauch (1784-1848), gestochen wurden die Blätter von Franz Xaver Stöber (1795-1858). Zu den Modebeilagen erschienen auch Prosa, Lyrik, Reisebeschreibungen, Theaterrezensionen sowie Nachrichten aus der Literatur, Kunst- und Musikwelt u.a. von Autoren wie Franz Grillpartzer (1791-1872) und Adalbert Stifter (1805-1868), oder es wurden Noten und Kompositionen von Franz Schubert (1797-1828) beigelegt. Auch die neuesten Möbel, Interieurs und Wagenmodelle fanden Platz in der "Wiener Zeitschrift". Als „publizistisches Organ“ der Wiener Mode unterschied sie sich deutlich von anderen Zeitungen wie Bäuerles „Wiener allgemeine Theaterzeitung. Modebeilagen“ (1831-58), die ausschließlich Pariser Mode zeigte. Als Bild vergrößern ... um 1844 die Blüte der Wiener Mode langsam endete, die vornehmen Maßschneider wieder mehr nach Paris blickten, geriet auch die "Wiener Zeitschrift" in Schwierigkeiten und musste 1848 nach der Revolution ihr Erscheinen einstellen. Ihre erfolgreiche Geschichte steht stellvertretend für herausragende Bedeutung der Wiener Modekultur in den Jahren von 1815 bis 1848.

Lit.: Ausst.-Kat. Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848, Wien: Historisches Museum der Stadt Wien, 17.12.1987-12.06.1988.





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang