Schloss Britz - Startseite
Schloss Britz - die Perle des Bezirks 

Britzer Konzerte

Home e-Mail
Startseite 

Die Ausstellung 
Biedermeier 
Wiener Modekultur 
Balletteuse 
Frauen-Reisen 
Begräbnis 
Bildung 
Extravaganzen 
Die Idealwohnung 
Das Korsett 

Wien – Berlin 

Dank für Unterstützung 

Frauenwelten im Wiener Biedermeier

Wien – Berlin: Salonkultur
 

Die zwei großen Städte des Biedermeier waren Wien und Berlin. Wien hatte sich aber bereits seit dem Wiener Kongreß 1815 als das bedeutendste Zentrum des Biedermeier und als europäische Hauptstadt der restaurativen Kräfte etabliert.

Einzigartig war Wien aufgrund seiner berühmten Wiener Ballkultur, die auch als Reaktion auf das strenge Metternich’sche System angesehen werden kann. In den unglaublich großen Ballsälen und Tanzpalästen wie Apollosaal oder Odeon, die mitunter Platz boten für 8000 Personen, entflohen die Menschen aller Schichten feurig tanzend der städtischen Enge und der staatlichen Überwachung.

Bild vergrößern ...Während sich Wien durch seine Tanzleidenschaft eine ausschweifende und sinnenfreudige Ausstrahlung gab, galt das nördliche Zentrum des Biedermeier Berlin als vornehm und vergeistigt. Dieser "charakterliche" Unterschied prägte nahezu alle Lebensbereiche der beiden Städte, wie Wohnkultur, Mode oder die herrschende Salonkultur. Die Salonkultur unterlag dem Wirkungsfeld der Frauen. Allein in diesem Rahmen konnte die bürgerliche Frau in einem halb-öffentlichen Raum tätig werden. In Wien gaben die Frauen des Hauses wie Fanny von Arnstein (1758-1818) und infolge ihre Tochter Henriette verh. Pereira-Arnstein Hausbälle, Festessen und abendliche Konzerte. Die Abende dienten allein der Pflege und Festigung geschäftlicher, gesellschaftlicher und sozialer Kontakte. Ehen und Vertragsabschlüsse wurden hier ausgehandelt. In Berlin war der Salon dagegen stärker literarisch-politisch motiviert. Es waren vorwiegend jüdische Frauen mit 'Geist und Verstand' wie Rahel Varnhagen von Ense (1771-1833), die politisch orientierten Künstlern die Möglichkeit gaben, in ihren Salons der repressiven politischen Zensur zu entweichen. Der einzige Wiener Salon, der nicht ausschließlich zur gesellschaftlichen Pflege unterhalten wurde, war der 1799 eröffnete Salon Pichler. Unter Aufsicht der bekannten Schriftstellerin Caroline Pichler (1769-1843) verkehrte dort alles, was in Wien Rang und Namen hatte, wie der Schriftsteller Franz Grillparzer (1800-1879). Frau Pichler galt aufgrund ihrer Bildung und Lebenserfahrung als Autorität und Institution in der Wiener Gesellschaft. Es war eine Auszeichnung, Zutritt zu ihrem Salon zu erhalten. So musste anscheinend selbst die berühmte Schriftstellerin Mme de Staël (1766-1817) ein Beglaubigungsschreiben von Frau Pichler erhalten, ehe sie in den Zirkel der Wiener Gesellschaft eingelassen wurde. Dennoch führte Frau Pichler einen rein literarischen Salon, in dem eine Erörterung politischer Zustände, anders als in Berlin, aus Furcht vor staatlicher Repression vermieden wurde. So spiegelt der Unterschied zwischen gesellig- und politisch-literarischem Salon im Kleinen die spezielle Atmosphäre, die in jedem dieser beiden Zentren des Biedermeier herrschte. Berauschten sich die Wiener geradezu an ihren exaltierten Festen, gaben sich die Berliner eher bedacht und gediegen. Den Zeitgenossen war dieser Unterschied durchaus gegenwärtig, und so karikierte der Wiener Karl von Holtei (1798-1880), Verfasser zahlreicher Theaterstücke, in seiner Posse "Wiener in Berlin" (1824) die Berliner Mentalität folgendermaßen:

Bild vergrößern ... "In Berlin, sagt er,
Mußt du fein, sagt er,
Und gescheit, sagt er,
Immer sein, sagt er:
Denn da haben s’, sagt er,
Viel Verstand, sagt er,
Ich bin dort, sagt er,
Schon bekannt, sagt er...
„...Gar zu leicht, sagt er,
Wenn man küßt, sagt er,
Kommt man dort, sagt er,
Zu ’nem Zwist; sagt er,
Denn sie plauschen, sagt er,
Wunderschön, sagt er,
Du wirst halt, sagt er,
Nit verstehn, sagt er."
(zit. in: Hermann 1965, S. 198)

Quellen: Renate Krüger, Biedermeier. Eine Lebenshaltung zwischen 1815 und 1848, Leipzig 1979. Gabriella Hauch, Frau Biedermeier auf den Barrikaden. Frauenleben in der Wiener Revolution 1848, Wien 1990. Georg Hermann, Das Biedermeier, Oldenburg/Hamburg 1965





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang