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Frauenwelten im Wiener Biedermeier

Das Korsett
 

Das Korsett (altfrz. cors = Körper, Leib) ist ein den Oberkörper - mitunter auch die Hüften - durch Schnürung und Versteifung stark formendes Gewandstück, das jedoch den Oberkörper und die inneren Organe stark deformierte. Die Kritik der Ärzte änderte nichts an der immer wiederkehrenden Modeerscheinung des Einschnürens. Erst nach der französischen Revolution und während der napoleonischen Herrschaft (1795-1815/20), als das antike Schönheitsideal gepriesen wurde, verzichteten die Frauen auf das starke Korsett und trugen lediglich ein unterstützendes Brustband, nach 1810 ein Mieder oder dehnbares Korsett aus Baumwolltrikot, z.T. mit mittig eingearbeitetem Spiralfedereinsatz.

Bild vergrößern ... In den 20er Jahren des 19. Jhs. begannen Männer wie Frauen des Mittelstandes wieder ein Korsett zu tragen. Das Korsett war meist aus Baumwolle - aber auch aus Leder mit Musselin oder Satin überzogen und mit Schleifen und Spitzen verziert - und reichte bis zur Hüfte. 1820 begann die industrielle Fertigung von Korsetts. Nach 1828 verstärkte man die Schnürlöcher des Korsetts mit Metallringen. Geschnürt wurde die Taille im Rücken, auf bis zu 40 cm. Diese pervertierte Modeerscheinung karikierte Joh. Christian Schoeller (1782-1851) in seinem Aquarell "Die Schnüranstalt" - Histor. Mus. d. Stadt Wien, in: Ausst.- Kat. "Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848", 17. Dez.1987-12. Jun.1989, Kat.Nr.15/108 (1) und Kat.Nr.15/109 (2)

Um die Pein der Korsettträgerinnen zu lindern, erfand August Piltz in den 20er Jahren des 19. Jhs. ein Patentmieder, das "bey Übelwerden der Dame mittels Anziehen einer kleinen, am Busen angebrachten Schleife augenblicklich und ohne Benötigung einer fremden Hand vom Leibe fallen" sollte und J.N. Reithoffer und Purtscher stellten ab 1828 ein elastisches Gesundheitsmieder aus Kautschuk mit eingearbeiteten Flachs-, Woll- und Seidenfäden her. Modezeitungen priesen an dieser Neuerung, dass sie "ohne Metall- und Fischbeinfedern" sei, dass sie "vollkommen anliege, ohne im mindesten zu drücken... und... sich auch durch Dauerhaftigkeit" auszeichne. Das Kautschuk-Korsettt ist in der Karikatur "Die Alte Jungfrau" von Joh. Christian Schoeller (1782-1851) auf dem Stuhl abgelegt zu sehen.

Lit: Ingrid Loschek, Reclams Mode- und Kostümlexikon, Stuttgart 1987, Stichwort: Korsett, S. 315 ff.; Regina Karner, Biedermeier. Die große Zeit der Wiener Mode, in Ausst.-Katalog Biedermeier in Wien, 1815-1848. Sein und Schein einer Bürgeridylle, Historisches Museum der Stadt Wien, 29.Apr.-24.Jun.1990, S.49 f.

Die Biedermeier-Gesellschaft im Korsett

Im Sommer 1817 rief die Universität Jena zu einer großen studentischen Kundgebung, dem sogenannten Wartburgfest, auf. Viele Studenten hatten sich bereits zu einer "Deutschen Burschenschaft" zusammengeschlossen, "Ehre, Freiheit, Vaterland" war ihr Leitspruch. Viele von ihnen waren Heimkehrer aus den Freiheitskriegen gegen die napoleonische Herrschaft.

Der rückwärtsgewandten und einschränkenden Politik des Deutschen Bundes, charakterisiert durch die Person des österreichischen Ministers von Metternich (1773-1859/ 1815-48), galt ihr Protest.

Bild vergrößern ...Während des Festes auf der Wartburg wurden feurige Reden über Freiheit und Einheit gehalten. Am Abend wurde ein großes Feuer entfacht, bei dem Sinnbilder der verhassten Fürstenherrschaft verbrannt wurden, neben Büchern und einer preußischen Uniform auch ein Korsett! In einer Zeit in der politisch Andersdenkende zunehmend verfolgt und verhaftet wurden, muss der gerade wieder in Mode gekommene und von Männern wie Frauen des Bürgertums getragene Schnürleib für die Studenten eine absolute Provokation gewesen sein. Es ist kein Zufall, dass das Korsett seit den 1820er Jahren wieder en vogue war. Das Korsett „stützte“ Frauen wie Männer in der in jeder Hinsicht unruhigen Zeit und half ihnen "Haltung zu bewahren" und sich den gesellschaftlichen Normen „anzupassen“. Außerdem förderte es der Frau zugeschriebene, als "ideal" angesehene weibliche Eigenschaften: die weibliche Hilflosigkeit und Schwäche, mit der an die männliche Stärke und Ritterlichkeit appelliert werden konnte, wenn die bis auf 40 cm eingeschnürte Taille zu Atemlosigkeit und Ohnmachtsanfällen führte.

Nachgiebigkeit, Zerbrechlichkeit und Sanftheit galten als bevorzugte weibliche Tugenden, weniger die öffentlich zur Schau getragene erotische Weiblichkeit, wie sie uns noch im 18. und zu Beginn des 19. Jhs. begegnet, weshalb die Brust weitgehend unbetont blieb.





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang