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Frauenwelten im Wiener Biedermeier
 

Bild vergrößern ... Großbürgerliche und adlige Frauen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Frauenwelten im Wiener Biedermeier. Ihre Lebenswege werden "von der Wiege bis zur Bahre" anhand vielfältiger Objekte - Textilien, Möbel, Gebrauchs- und Ziergeräte u. v. m. - veranschaulicht. Die Welt der Künstlerinnen wird durch Exponate der berühmten Tänzerin Fanny Elßler (1810-1884) repräsentiert. Frauen der unteren Gesellschaftsschicht treten nur marginal in bildlichen Darstellungen in Erscheinung. Die emanzipierte und intellektuelle Frau - die sogenannte "Amazone" - und die Prostituierte konnten leider nicht in der Ausstellung berücksichtigt werden, obwohl sie unbedingt in das Bild der Frauen im Wiener Biedermeier gehören. "Amazonen", die sich öffentlich für mehr Selbstbestimmung der Frauen aussprachen und rauchten, waren in der "guten Gesellschaft" wenig anerkannt, ebenso wie die "leichten Mädchen", die allerdings in einer Gesellschaft, die Erotik und Sexualität tabuisierte, besonders großen Zuspruch erfuhren.

Bild vergrößern ...Die Familie hatte in der Lebensweise des vormärzlichen Bürgertums einen besonders hohen Stellenwert. Sie garantierte soziale Sicherheit bei Krankheit und Alter und ermöglichte gesellige Kontakte. Geselligkeit an Spiel-, Musik- oder Leseabenden, in Zirkeln oder Salons waren einer zielgerichteten Heiratspolitik förderlich. Zum Nutzen der Familie wurde eine "gute Partie" angestrebt, denn unverheiratete Frauen waren von der Gnade der Verwandtschaft abhängig oder mussten sich ihren Unterhalt als Gouvernante, Erzieherin oder Lehrerin verdingen, Berufe, die für Frauen des Bürgertums als schicklich galten. Nach dem bürgerlichen Familienmodell, das im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch von 1811 festgelegt wurde, stand die Frau unter der Vormundschaft des Mannes. Ihre Rolle war ausschließlich auf den häuslichen Bereich beschränkt. Ehen in den unteren Schichten der Gesellschaft konnten nur mit einer behördlichen "Ehe-Licenz". Vorraussetzungen für deren Erhalt waren u.a.: politisch und sittlich untadelige Lebensführung, Nachweis über künftige Existenzsicherung der Familie und ein Wohnungsnachweis. Dies kam einem Eheverbot gleich, denn die Mehrheit der Bevölkerung konnte die absurden rigiden Forderungen dieser Lizenz (Nachweis eines Wohnsitzes, Verdienstnachweis, der die Ernährung einer Familie garantierte, tadellose politische und soziale Lebensführung), nicht erfüllen. Diese repressive Familienpolitik hatte die Auflösung von Familienstrukturen zur Folge, den rapiden Anstieg unehelicher Geburten und die Verelendung von Frauen, die sich von ihrem Billiglohn als Fabrik– oder Heimarbeiterin, als Tagelöhnerin oder Dienstmädchen nur sehr schlecht selbst ernähren konnten. Das legendäre "Wäschemäderl" gehört zu den Wiener Typen, denen Adalbert Stifter in seinem Sammelband, Wien und die Wiener, Pesth 1841-1844 ein Denkmal gesetzt hat.

Bild vergrößern ... Die Zufluchtsstätte der gutbürgerlichen Familie war das Heim, die "gute Stube" ihr Mittelpunkt. Hier fühlte sie sich sicher vor der staatlichen Verfolgung und anderer Unbill ihrer Zeit, hier trug der Hausherr seinen Hausrock und seine Pantoffeln, hier vergnügte und entspannte man sich bei Hausmusik und anderen Geselligkeiten. Die beginnende Industrialisierung hatte zunehmend zu einer Trennung von Arbeitsplatz und Wohnung geführt. Dies förderte die Intensivierung des Privatlebens und legte den Lebensraum der bürgerlichen Frauen und Männer fest. Während der Mann als Ernährer der Familie am öffentlichen Leben teilnahm, musste seine Gattin klaglos für einen reibungslosen Ablauf des häuslichen Alltags, eine standesgemäße Erziehung der Kinder und vor allem für eine harmonische Atmosphäre in einem aufgeräumten, gediegen eingerichteten Haushalt sorgen. Adlige und das mittlere Bürgertum (Kaufleute und Handwerker) waren häufig Hauseigentümer. Als Hausbesitzer war man eine Respektsperson, von deren Wohlwollen die Mieter, Untermieter und "Bettgeher" abhängig waren. Mieter waren meist mehrköpfige Kleinbürgerfamilien, die sich gemeinsam ein Zimmer mit Küche teilten. Häufiger Wohnungswechsel, besonders bei den ärmeren Bevölkerungsschichten, war des Mietwuchers wegen üblich und passt nicht in das idyllische Bild vom "geruhsamen Heim" des Biedermeiers.

Lit.: Franz Elder, Wien im Biedermeier, Wien, 1978; Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848, Ausst.Katalog des Historischen Museums der Stadt Wien, 17. Dezember 1987-12. Juni 1988; Biedermeier in Wien 1815-1848. Sein und Schein einer Bürgeridylle, Ausst.Katalog des Historischen Museums der Stadt Wien, 29.April-24. Juni 1990

Dauer der Ausstellung:Sonntag, 24. August 2003 bis
Sonntag, 11. Januar 2004

Öffnungszeiten:
dienstags - donnerstags von 14 bis 18 Uhr, freitags von 14 bis 20 Uhr, samstags von 14 bis 18 Uhr, sonntags und feiertags von 11 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: 4,00 € (ermäßigt 3,00 €) dienstags und donnerstags gilt für alle Rentner der ermäßigte Preis. Gruppen ab 10 Personen zahlen pro Person 3,00 €
Familienkarten (2 Erwachsene und 2 Kinder bis 12 Jahren) für 10,00 €

Adresse: Schloss Britz, Alt-Britz 73, 12359 Berlin (Neukölln)
Telefon: 030 - 609 7923 0, Telefax: 030 - 606 48 09
Fahrverbindung: U Parchimer Allee, dann Bus 144, 174, 181




Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang