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Frauenwelten im Wiener Biedermeier

Frauen-Reisen im Biedermeier: Weltreisende Ida Pfeiffer (1797-1858)
 

"Wie es den Maler drängt, ein Bild zu malen, den Dichter, seine Gedanken auszusprechen, so drängt es mich die Welt zu sehen. – Reisen war der Traum meiner Jugend, Erinnerung des Gesehenen ist nun das Labsal meines Alters." So schreibt 1853 die Wiener Bürgerin Ida Pfeiffer (1797-1858) über ihre "Frauenfahrt um die Welt" zwischen 1842 und 1858.

Bild vergrößern ... Im Biedermeier waren Reisen sehr beschwerlich und aufwändig. Die gesellschaftliche Etikette verbot es den Frauen, alleine auf Reisen zu gehen. Doch einige Wagemutige und Unerschrockene machten sich auf, die Welt reisend zu erkunden. Ida Pfeiffer soll hier als eine solche vorgestellt werden, die mit 45 Jahren begann, alleine die gesamte Welt zu bereisen.

Während einer Italienfahrt 1836 erwachte in ihr jene unstillbare Reiselust, die sie später in die ganze Welt führen sollte. Ab 1842, ihre beiden Söhne waren erwachsen, reiste sie mit kleinen Unterbrechungen bis zu ihrem Lebensende 1858 um die ganze Welt. Zudem entwickelte sie ab ca. 1845 ein ausgeprägtes Interesse an der Botanik und eignete sich in den großen europäischen Naturkundemuseen in Wien, Berlin und London fachliches Wissen und praktische Arbeitsweise der Naturkundler an. Fortan sammelte, photographierte und präparierte sie auf ihren Reisen Pflanzen, Tiere und Gestein. Ihre zweieinhalbjährige Weltreise, die sie im Mai 1846 antrat, führte sie u.a. nach Südamerika, Rio de Janeiro, zu den Tupi-Indianern im Urwald Brasiliens. Sie segelte weiter auf Frachtschiffen um das gefürchtete Kap Hoorn, nach Chile, China, Indien und durchquerte auf einem Dampfschiff den Persischen Golf, bereiste Kurdistan bis zum heutigen Iran. Schließlich endete ihre Reise in Konstantinopel. 1848 bewegten sie die revolutionären Ereignisse zu Hause, vorzeitig die Rückreise nach Wien anzutreten. Aber 1851 ging sie erneut auf Reisen nach Indonesien, Südamerika und Nordamerika. Ihre Reisen meisterte sie mit unerbittlicher Zähigkeit, aber vor allem mit einer guten Portion geistreichen Humors: "...Ein andermal mußte ich mit 21 Leuten eine ganze Nacht auf einem großen See in einem ausgehöhlten Baumstamme zubringen (...) als ich ans Land kam konnte ich nicht gleich stehen, ich dachte schon die Füße eines anderen erwischt zu haben. Jetzt sitze ich auf Rosen und Lorberen zu Makassar [Celebes] (...) Da will ich dan nur all meine gesammelten Schätze an Insecten, Fischen, Schlangen, Elephanten u. Rhinocerusen einpacken u. dem indischen Archipel ein Schnippchen schlagen u. weiterziehen. – wohin? das weiß ich jetzt noch nicht zu sagen. Vermutlich erhalten sie mein nächstes Geschreibsel aus irgend einem fremdartigen Land, noch nicht entdeckten Welttheile, vielleicht aus Pfeifferia oder vieleicht gar aus dem Monde..."

Bild vergrößern ...Der Verkauf ihrer Reiseberichte, veröffentlicht in 13 Bänden, und ihrer gesammelten botanischen und naturkundlichen Gegenstände sicherten ihr nicht nur einen Teil ihres Reisebudgets, sondern machten sie einer großen Öffentlichkeit und auch der internationalen Fachwelt bekannt. So initiierte Alexander von Humboldt (1769-1859), mit dem sie eine freundschaftliche wie fachliche Beziehung verband, dass ihr als erster Frau die Ehrenmitgliedschaft in der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin angetragen wurde. Am 28. Oktober 1858 starb Ida Pfeiffer wahrscheinlich an den Folgen einer Malaria. Sie bezeichnete sich selbst nicht als emanzipiert, verteidigte immer die traditionelle Frauenrolle als Hausfrau und Mutter und blieb damit dem vorherrschenden Geschlechterverständnis verpflichtet. Aber Ida Pfeiffer ist, wie auch die bekannte Tänzerin Fanny Elßler, ein eindrucksvolles Beispiel für eine Frau, die reisend den engen Wiener (Haus)Frauenwelten entfloh.

Bild vergrößern ... Die Erkenntnisse solcher naturhistorischen Expeditionen wurden auch von Malern, wie Thomas Ender (1793-1875), festgehalten, der 1817 vom Wiener Hof anlässlich einer Expedition mit nach Brasilien gesandt wurde und mit 700 Zeichnungen und Aquarellen zurückkam. Als 1828 die erste Giraffe in Wien eintraf, war die Begeisterung und Faszination am Fremden grenzenlos und äußerte sich in der Mode à la Giraffe.

Lit.: Susanne Härtel/Magdalena Köster (Hrsg.), Die Reisen der Frauen. Lebensgeschichten von Frauen aus drei Jahrhunderten, 2. Aufl., Weinheim/Basel 1995. Ausst.-Kat. Bürgersinn und Aufbegehren, Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848, Wien: Historisches Museum der Stadt Wien, 17.12.1987-12.6.1988





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang