Schloss Britz - Startseite
Schloss Britz - die Perle des Bezirks 

Britzer Konzerte

Home e-Mail
Startseite 

Die Ausstellung 
Biedermeier 
Wiener Modekultur 
Balletteuse 
Frauen-Reisen 
Begräbnis 
Bildung 
Extravaganzen 
Die Idealwohnung 
Das Korsett 
Wien – Berlin 
Dank für Unterstützung 

Frauenwelten im Wiener Biedermeier

Extravaganzen der Wiener Mode
 

Eine Darstellung der Frauenmode zwischen 1815 und 1848 bleibt auf die Mode der Frau des gehobenen Bürgertums und des Adels beschränkt. Die Kleidung der Arbeiterin, der Bäuerin oder Landfrau musste in erster Linie bequem und haltbar sein und war damit aus der sog. modischen Entwicklung ausgeschlossen. Dagegen war die hochbürgerliche und aristokratische Frauenmode ein deutliches Zeichen ihrer Zeit.

Bild vergrößern ...Nachdem das Chemisenkleid (frz. Hemd) während des Empire (1795-1815/20) der Frau Bewegungsfreiheit verschaffte, wurde ab 1815 die Wiener Mode wieder biederer. Die Taille der Kleider rutschte ab 1820 erneut nach unten, bis sie schließlich um 1836 an ihrem natürlichen Platz saß, das Dekolleté schloss oberhalb der Brust und Reifrock mit Korsett beschrieben erneut die weibliche Sanduhrsilhouette. Der Rock stand immer weiter ab, ließ den Knöchel frei und erlaubte den Blick auf die bestickten creme- oder weißfarbigen Strümpfe, die von aufwendig gearbeiteten Strumpfbändern gehalten wurden. Am stärksten änderten sich ab 1820 die Ärmelformen der Tageskleider. Sie wurden immer voluminöser und treffend als "Schinken"- oder "Hammelkeulenärmel" bezeichnet. Die Formen der mit Rosshaar und Fischbein aufgeblähten Ärmel nahmen solch kuriose Ausmaße an, dass selbst vierhändiges Klavierspiel durchaus problematisch werden konnte. Die Ballkleider behielten die kurzen Puffärmel. Spenzerjacke oder Kopfmantel bildeten die bewährte Oberbekleidung. Die Kleiderstoffe wurden aus Baumwollgeweben (Perkal, Batist, Musselin, Popeline), Seiden (Gros de Naples, Taffet, Atlas, Marcelline) und Schafwolle (Merino) gefertigt. Ab den 30er Jahren ließen sich die Wiener Damenschneider von ausgefallenen Stoffmustern inspirieren: Denn neben den typisch quadrillierten (kariert), gestreiften oder geblümten Mustern, gab es auch bizarre Formführungen und kräftige Farbgebungen, die für den Wiener Biedermeier stehen. Mit Einführung der Gasbeleuchtung 1817 wurden für die Abendmode bevorzugt changierende Seidenstoffe verwendet. Die Frauenmode dieser Jahre war geradezu exaltiert. Die obligate Kopfbedeckung war die Schute, jener in der breiten Vorderkrempe reich verzierte Hut. Der absatzlose Kreuzbandschuh zierte die Füße der Damen. Wichtige Accessoires waren die beliebten Kaschmirschals, die unverzichtbaren Damenhandschuhe und der zum Kleid passende Knickschirm. In die kunstvoll aufbereiteten, in die Höhe strebenden Frisurengebilde mit Schlupfe wurde ein reiches Dekor aus Bändern und Schleifen eingearbeitet. Ende der 30er Jahre hatte sich eine deutliche Rückwendung zum Rokoko vollzogen. Die starken Farben und ungewöhnlichen Formen verschwanden. Bereits seit 1835 wurden die Ärmel wieder enganliegend und die Frisuren mit dem im Nacken getragenen Chignon und den seitlich über die Ohren fallenden Korkenzieherlocken oder geflochtenen "Affenschaukeln" schlichter.

Bild vergrößern ... Sämtliche Modeerscheinungen im Wiener Biedermeier charakterisierten die hochbürgerliche und adelige Frau als zartes Wesen und thematisierten so das auf das Haus begrenzte Frauenideal. Diese Kleidung "band" die Frau ans Haus: Scheuklappenartige Schute, enges Korsett, dünner Kreuzbandschuh engten den Blick- und Bewegungsradius der Frau erheblich ein.

Im Vergleich zur Frauenmode wirkte die des Mannes schlicht. Ausgezeichneter Schnitt und tadelloser Sitz waren besonders wichtig. Eine Neuerung war ab 1815 die Durchsetzung der Pantalons (frz. lange Hose). Das schillernste Kleidungsstück des Herrn war die Weste. Mit ihr und der Halsbinde setzte der Mann den farbigen, gemusterten Akzent und betonte gleichzeitig seine persönliche Note. Ferner waren der Gehrock, ein weißes Hemd mit dem berühmt-berüchtigten"Vatermörderkragen" (bis 1820), der Zylinder, Spazierstock, Handschuhe, Lorgnette (frz. bügellose Brille mit Stiel) und Uhrkette Standart. In den 20er und 30er Jahren wurden wieder Backen-, Oberlippen- oder Kinnbärte getragen, sie hatten ihren revolutionären Beigeschmack aus der Zeit nach dem Wiener Kongreß verloren. Der Vollbart allerdings galt stets als Zeichen politisch-liberaler, suspekter Umtriebigkeit.

Lit.: Ausst.-Kat. Bürgersinn und Aufbegehren. Biedermeier und Vormärz in Wien 1815-1848, Wien: Historisches Museum der Stadt Wien, 17.12.1987-12.06.1988. Gabriella Hauch, Frau Biedermeier auf den Barrikaden. Frauenleben in der Wiener Revolution um 1848, Wien 1990. Ingeborg Weber-Kellermann, Frauenleben im 19. Jahrhundert, Empire und Romantik, Biedermeier, Gründerzeit, München 1983





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang