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Frauenwelten im Wiener Biedermeier

Bildungsmöglichkeiten der Mädchen
 

"... Nachdem einmal bewiesen ist, daß der Mann und die Frau weder nach dem Charakter noch nach dem Temperament gleich gebildet sind noch sein dürfen, so folgt daraus, daß sie auch nicht die gleiche Erziehung haben dürfen..." (Rousseau 1998, S. 392)

Bild vergrößern ...Bereits in den Kinderstuben wurden die Mädchen durch geschlechtsspezifisches Spielzeug (Puppen, Puppenhäuser) auf ihre künftige Rolle als Hausfrau und Mutter in der bürgerlichen Gesellschaft vorbereitet. Die Mütter vermittelten ihren Töchtern praktische Kenntnisse der Haushaltsführung und sorgten für die Ausbildung der als spezifisch weiblich erachteten Tugenden wie Sanftmut, Anpassungsfähigkeit und Demut. Gerade für die Mädchen war es in der ersten Hälfte des 19. Jhs. deutlich schwerer ein höheres Bildungsniveau zu erreichen. Chancen boten sich ihnen nur, wenn sie über ein interessiertes, förderndes und nicht zuletzt vermögendes Elternhaus verfügten.

Zwar waren die Mädchen den Jungen über die Maria-Theresianische Allgemeine Schulordnung (1774) durch die Schulbesuchspflicht gleichgestellt. Aber ihre Schulausbildung reichte meist nicht über das Niveau einer Volksschule hinaus. In Wien konnten sie nur zwei weiterführende Schulen besuchen: das Offizierstöchter-Erziehungs-Institut (gegr. 1775) und das Civil-Mädchen-Pensionat (gegr. 1787). Dort wurden ihnen hauswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt, und sie wurden zu Erzieherinnen oder Lehrerinnen ausgebildet. Das Lehrangebot bestand aus Geschichte, Geographie, Naturlehre, Französisch, Italienisch, Gesang und Handarbeit.

Bild vergrößern ... Besondere Bedeutung hatte das stetige Handarbeiten. In einer Zeit, in der die Keuschheit und Unberührtheit der Frau zum höchsten Gut weiblicher Tugend erklärt wurde, sollte Handarbeit neben der Ausrichtung der Aussteuer die innere Reinheit garantieren und triebhafte Bedürfnisse unterdrücken. Wie sehr sich manches Mädchen aber nach einer anspruchsvolleren Ausbildung sehnte, beschreibt die Schriftstellerin Fanny Lewald (1811-1889) rückblickend in ihrer Lebensgeschichte (1861). Während sie sich zu Hause in Handarbeiten, Schönschreiben, mit Klavierspielen und Beaufsichtigung der jüngeren Geschwister abmühte, erfasste sie "...brennender Neid auf meine Brüder, welche ruhig in ihr Gymnasium gingen, ruhig ihre Lektionen machten..." (zit. in: Ausst.-Kat. "und drinnen walten die Webern, die Taschern und die Karchern", S. 17). Die Mädchen wurden zur sittsamem Gattin, tüchtigen Hausfrau und fürsorglichen Mutter ausgebildet und früh, noch mit dem Reiz der kindlichen Naivität ausgestattet, mit deutlich älteren Männern verheiratet.

Lit.: Gabriella Hauch, Frau Biedermeier auf den Barrikaden. Frauenleben in der Wiener Revolution um 1848, Wien 1990. Helmut Engelbrecht, Geschichte des österreichischen Bildungswesens. Erziehung und Unterricht auf dem Boden Österreichs, Bd. 3, Wien 1984. Ingeborg Weber-Kellermann, Frauenleben im 19. Jahrhundert, Empire und Romantik, Biedermeier, Gründerzeit, München 1983. Jean Jacques Rousseau, Emile oder Über die Erziehung, 13. unveränderte Auflage, Paderborn u.a. 1998. Ausst.-Kat. „und drinnen walten die Webern, die Taschern und die Karchern“, Bürgerlicher Frauenalltag im Biedermeier, Kaiserslautern: Theodor-Zink-Museum, 28.6.-21.9.1997





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang