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Die "schöne Leich" oder das Wiener Begräbniszeremoniell
 

Dem Wiener wird ein besonderes Verhältnis zum Tod nachgesagt, das besonders in den Wiener Liedern, die den unwiederbringlichen Abschied von der Stadt, dem Wein und den schönen Maderln besingen, zum Ausdruck kommt. Die letzte Demonstration der eigenen Bedeutung wird mit der "schönen Leich" in einem aufwändigen Begräbniszeremoniell inszeniert.

Bild vergrößern ...Nach der Reform des Bestattungswesens, 1784 durch Joseph II. (1765-1764-1790), durften Tote nur noch außerhalb der Ortschaften bestattet werden. Dies machte den Kondukt, den protokollarisch geregelten Trauerzug vom Hause der Verstorbenen zum weit entfernten Friedhof, notwendig. Die Anordnung des Kaisers, die Toten "ganz bloß ohne Kleidungsstücke, nur in einen leinenen Sack eingenäht in die Grube zu legen", erregte dagegen heftigen Widerspruch in allen Kreisen der Bevölkerung und musste zurückgenommen werden.

In einem Hofdekret von 1809 wurde zur Rettung Scheintoter eine 48-stündige Totenwache zu Hause oder in einer Totenkammer bei der Kirche vorgeschrieben. Dies war ein willkommener Anlass die Leiche zu paradieren, d.h. sie öffentlich nach Aufbahrungsklassen zur Schau zu stellen. Der Leichnam 1. Klasse wurde in einem Prachtsarg in einem Paradesaal unter einem Baldachin auf einem Katafalk aufgestellt, der von einer Vielzahl Kandelabern und Kerzenleuchtern – die Anzahl der Lichter war nach Klassen abgestuft – als Symbol der Auferstehung Christi und der Hoffnung auf die eigene Auferstehung, umgeben war. Über dem Hauseingang wurde eine große Tordekoration angebracht und ein in spanischer Gala (Zweispitz, Weste, Jacke, Kniehose und langer Mantel) gekleideter Trauerportier mit Portierstab regelte 48 Stunden lang den Einlass der Trauergäste. Eine Leiche 6. Klasse wurde im Hauseingang aufgebahrt.

Bild vergrößern ... Um die gesellschaftliche Stellung oder den Stand der Verstorbenen zu dokumentieren, wurde den Toten eine Nachbildung der Rangkrone beigegeben (Adelskronen: mit 4 Eicheln und 4 Blättern aus Messing) oder ein Totenkranz aus versilbertem Messing aufgesetzt (bei Ledigen ein Myrthenkranz, bei Militärpersonen ein Eichenlaubkranz und bei Künstlern und Wissenschaftlern ein Lorbeerkranz). Jedem Toten wurde bei der Aufbahrung ein Handkreuz in die gefalteten Hände gegeben.

Neben dem vorstädtischen Zeremoniell der "getragenen Leich" gab es natürlich auch den von Trauerpferden gezogenen Leichenwagen. Alle Totentransporte durften erst zwei Stunden nach Sonnenuntergang ausgeführt werden. Von jedem Kondukt wurde eine in vier Klassen gestaffelte "Linien-Wegmauth" verlangt, die 1819 per Dekret aufgehoben, 1837 aber wieder eingeführt wurde. Das Armenbegräbnis war von dieser Regelung aus christlicher Nächstenliebe ausgeschlossen. Verstorbene Kinder wurden "unter dem Mantel begraben", d.h. der Totenträger transportierte den Kindersarg unter seinem Mantel zum Friedhof.
"Partezettel" (Todesanzeigen; nach dem franz. faire part) informierten über das Ableben einer Person, während Sterbebilder ihrem Gedächtnis dienten. Die Vorderseite ist meist mit religiösen Bildern oder Emblemen bedruckt. Auf der Rückseite befinden sich Namen, Lebensdaten und Fürbittgebete.

Bild vergrößern ...Für die Bestattung der Toten war die Kirche zuständig, die somit die Funktion von Bestattungsunternehmen ausübten. Erst die Privatisierung des Leichenbestattungswesens in der 2. Hälfte des 19. Jhs. hatte zur Folge, dass das Leichenbegräbnis für wohlhabende Wiener Bürger nach dem Vorbild barocker höfischer Begräbnisfeierlichkeiten äußerst prunkvoll ("Prachtklasse") inszeniert wurde.

Lit.: Franz Knispel, Bestattungsmuseum Wien. Führer durch die Sammlung. Wien 1997





Stand: 14.08.2003  Impressum  Seitenanfang