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Eine filigrane Kunst - Schlesischer Eisenkunstguß im 19. Jahrhundert
Eine Ausstellung zu Ehren von Friedrich Wilhelm Graf von Reden

Eine gemeinsame Ausstellung der Stiftung Schlesien, Hannover und
der Kulturstiftung Schloß Britz  mehr Infos zur Ausstellung

Eisenkunstguß-Technik um 1839

„ [S. 446] Umschmelzen des Roheisens und Anwendung desselben zur Gießerei:
Metall gießen heißt bekanntlich, denselben im geschmolzenen Zustande eine bestimmte Gestalt geben, welche sie nach dem Wiedererstarren behalten. Man erreicht dies in der Regel dadurch, daß man mit dem flüßigen Metall eine Höhlung oder Vertiefung von bestimmter Gestalt eine Form anfüllt. Auf diese Weise geformtes Metall heißt ein Gußstück, ein Guß, eine Gußwaare.
Der Körper, dessen Höhlung mit Metall gefüllt wird, sowie auch die Höhlung selbst nennt man Form, Gießform, Gußform.

Zur Gießerei angewendeten, verschiedenen grauen Roheisen=Sorten:

...Das weiße [Roheisen]ist zu spröde, zu wenig dünnflüssig, füllt daher die Form schlecht und zieht sich überdies beim Erkalten leicht schief, zerspringt sogar in dünnen Stücken von selbst während der Abkühlung.

Graues Roheisen enthält weniger Graphit, die Blätter werden feiner, das Eisen daher härter und haltbarer. Zu feinern und dünnern Güssen, ist dieses Eisen das beste, da es noch nicht so leicht als die folgende Art beim schnellen Erkalten krystallisirt [sic]und sich daher selbst bei etwas feuchten Sandformen noch nicht so abschreckt, daß es sich verzieht oder springt / [S.447] wird für feine Artikel in Kupolöfen [= Schachtöfen, in die man Kohle und Eisen Schichtenweise einträgt] umgeschmolzen.

Das lichtgraue Eisen ist das eigentliche Material für größere Gußstücke, die eine große Haltbarkeit mit Zierlichkeit und sauberem Äußern verbinden sollen. Die Graphitblätter sind gänzlich verschwunden, der Bruch ist eben und doch scharf, die Oberfläche glatt und wenn sie frei erkaltet, etwas concav eingesunken. Es läßt sich dieses Roheisen mit der Feile und dem Meißel gut bearbeiten und nimmt Schraubengänge mit Leichtigkeit an.

[S.452]... Alle Roheisenarten gewinnen durch das Umschmelzen im Flammenofen an Weichheit und zugleich an Festigkeit...

[S.453] Die Zeit des Verschmelzens ist sehr verschieden. Es sind 2, 3 bis 4 Stunden erforderlich, um 16 bis 60 Centner [sic] Roheisen niederzuschmelzen.... [S.453] Die Formerei ist nur ein Theil der Gießerei und die Eisengießerei ist die wichtigste unter allen...:


Methoden der Formerei: Gußarten: Waren:
A Sandguß /
Herdförmerei Ofen- und Herdplatten, Amboße
A Sandguß /
Kastenform massive Güße:
hohl oder flach Kanonenöfen, Röhren
B Massenguß filigrane Güße Galanteriewaaren
C Lehmguß Kessel, Pfannen
D Schalenguß:
Hartwalzen Eisenblech


[S.454]Das Formen für den Eisenguß ist in vielfacher Beziehung schwerer, als für andere Metalle. Das Gußeisen bedarf zum Schmelzen einer weit höheren Temperatur, als die anderen Metalle; es kommt daher weit heißer in die Form, spült feinere Vorsprünge leichter ab, es hat eine große Neigung zu kristallisiren [sic], sich dabei zu verziehen und auf die Wände der Form zu drücken; die Wohlfeilheit der meisten Artikel wegen kann man nicht viel Zeit auf das Formen und das Überarbeiten des Gußstücks verwenden, die Oberfläche des heißen Eisens oxydulirt [sic] leicht, das Oxydul bildet mit dem Formsande eine leicht flüssige Schlacke, die scharfkantig an das Eisen anbackt; endlich muß man sehr vorsichtig in der Wahl der Form, hinsichtlich ihrer Wärmeleitung sein, weil ein übrigens vollkommen gelungener Artikel völlig unbrauchbar sein kann, wenn er bei der Abkühlung zu weich oder zu hart geworden, ...doch werden im Allgemeinen Sand und Thon ... ausreichen.

Das richtige Verhältnis von Sand und Lehm zu finden ist die eigentliche Kunst des Formens. je mehr der Sand vorwaltet, desto rascher geht das Formen, desto schärfere Abdrücke nimmt die Masse an; desto weniger schwindet und reißt die Form beim Trocknen, desto weniger Bindung hat aber die Masse auch, und bei den meisten sandhaltigen Formen geht dies so weit, daß man sie gar nicht trocknen darf, weil sie sonst wieder zusammenfallen würden. Solche Formen kann man aber nur anwenden, wenn es entweder nichts schadet, daß das Eisen weiß abgeschreckt, oder man sehr graues Roheisen vergießt. Diese Formmethoden ohne Trocknen ist die allerrascheste und für kleinere Artikel, die in gößerer Menge angefertigt werden auch die vortheilhafteste... Bei currenten Artikeln machen sich die Kosten [ohne Formkasten zu arbeiten] wieder bezahlt, weil sie ein weit schnelleres und genaueres Formen zulassen.

Für Gegenstände aber, ... die , weil sie einer weiteren Bearbeitung bedürfen, eine weiche Oberfläche haben müssen... muß man getrocknete Formen anwenden, und diese müssen mehr thonhaltig sein... Je mehr der Thon vorwaltet, desto größer ist die Bindungskraft, desto langsamer die Abkühlung, desto weichere Flächen bekommt daher das Gußstück und desto haltbarer wird es; desto mehr reißt aber auch die Form beim Trocknen auf, desto mehr verliert sie ihre Dimensionen und desto mehr nimmt sie scharfe Eindrücke an. Obwol [sic] bei recht sorgfältiger Behandlung, die aber nur bei Schmucksachen lohnend ist, der Thon viel schärfere Abdrücke gewährt als der feinste Sand. Man mengt dem Formmaterial Holzkohlen= und weit besser noch Coaksstaub bei, und obwol [sic] die Masse dadurch weniger bindend wird und man den Thongehalt deshalb etwas vergrößern muß... so gewinnt man doch... glattere Oberflächen des Gußstücks... Die Befeuchtung geschieht mit Wasser worin Coaksstaub, Pferdemist und Pfeifenthon eingerührt worden..../ [S.455] die Geschwindigkeit mit welcher das [in Sümpfen gereinigte] Eisen in die Form gelangt, ist nicht gleichültig, ist so gering, so erstarrt das Eisen, ehe die Form voll ist usn ist si zu groß, so wird die Form leiht beschädigt.

[S.456] A Der Sandguß: Der magere Sand besitzt so wenig bindende Kraft, dass man die daraus angefertigten Formen in feuchtem Zustande zum Guße anwende muß. In diesem Zustande wird der Sand nasser o der grüner Sand genannt. Diese Art der Förmerei ist die wohlfeilste, weil die Formen am schnellsten vollendet sind und nicht getrocknet zu werden brauchen. Man bedient sich ihrer daher am häufigsten .... wo a die Formen nicht zu groß sind, b ..die Formen keine feine Verzierungen oder sonstige sehr freistehende Theile enthalten, welche leicht wegbrechen, c die Gußtheile nicht der größten Weichheit bedürfen. Im nassen Sande wird nämlich das Eisen ziemlich schnell abgekühlt (abgeschreckt), wodurch dünne Stücke durch und durch hart werden....
Zur Sandförmerei ist stets ein Modell nöthig, welches die Gestalt des zu erzeugenden Gußstücks besitzt ... als das Eisen, der Erfahrung zufolge, schwindet. Man bedient sich deshalb bei der Anfertigung der Modelle nach Zeichnungen eines sogenannten Schwindmaßstabes. Die Modelle bestehen gewöhnlich aus Holz. ... Zu vielfältig abzugießenden Stücken fertigt man Modelle aus Eisen, Messing, Blei Stein, an . Selten sind Modelle von Gyps oder Wachs. Die Modelle... müssen so gestaltete sein und so in den Sand gelegt werden, daß sie sich aus demselben, in den man sie eingesenkt, oder den man darüber geformt hat, leicht wieder ausheben lassen, ohne Theile desselben wegzugießen; sie müssen ferner glatt und recht trocken sein, damit kein Sand daran hängen bleibt.

[458] B Der Massenguß: der fette Sand oder die Masse, ein natürlich oder künstlich bereitetes Gemenge von Sand mit viel Thon, hat den Vorzug vor dem mageren Sande, daß er feinere Eindrücke annimmt und sich besser behält..., also zum Gießen von Gegenstücken mit zarten Verzierungen oder weit hervorragenden Theilen besser geeignet ist, und daß er, weil die daraus gefertigten Formen vor dem Gießen getrocknet werden, das Eisen nicht abschreckt, die Oberfläche desselben nicht hart macht. Er verursacht dagegen mehr Zeitaufwand und Arbeit beim Formen, weil er durchaus gut getrocknet werden muß, indem er wegen seines großen Thongehaltes dichter ist und die Feuchtigkeit keinen Ausweg durch seine Poren darbietet.

Man wendet deshalb Formen aus fettem Sande nur in solchen Fällen an, wo sie unentbehrlich sind, nämlich beim Gusse feiner verzierter Waaren und solcher größerer Gegenstände, welche die ganze natürliche Weichheit des Eisens behalten sollen, weil man sie weiter bearbeiten muß. Sogenannte Galanteriewaaren aus Eisenguß, als: Schnallen, Armbänder, Ohrgehänge, Ringe, Leuchter, Schreibzeuge, Medaillons usw...

Die Masse wird vor dem Gebrauche schwach gebrannt, gestampft, gesiebt und mit wenig Wasser angemacht. Öfters setzt man ihr Coaksstaub zu... Das Einformen geschieht bei dem Massenguß ganz nach denselben Grundsätzen und mit denselben Hilfsmitteln, wie beim Sandguß in Kästen, nur müssen die Laden stets von Eisen sein, weil sie beim Trocknen der Hitze ausgesetzt werden. Das Einformen kleinerer Gegenstände stimmt auch meistentheils gänzlich mit dem Verfahren überein, welches beim Formen für den Sandguß gebräuchlich ist. Die Modelle zu zarten verzierten Gegenständen werden mit höchst fein gesiebter trockener Masse bestäubt, damit diese alle feinen Vertiefungen gut ausfüllen; und dann stampft man weniger feine, feucht gemachte Masse darüber...

Die Massformen werden entweder an Kohlefeuer oder in Trockenkammern scharf ausgetrocknet, damit sie bei der Berührung mit dem geschmolzenen Eisen keine Dämpfe oder Gase entwickeln. Die getrocknete Form ... bestreicht man mittels eines Pinsels mit einer Schlichte oder Schwärze aus Leimwasser, Kohlen-Staub und Knochenasche und trocknet sie dann noch einmal. Zarte Formen schwärzt man durch Anrauchen, indem man sie über die Flammen von Kienholz oder von einem Öllichte hält.

[S.460] Fernere Zurichtung der Eisengüsse: Die meisten Eisengüsse sind so, wie sie aus der Form kommen, fertig; nachdem werden nur die Angüsse oder Gießzapfen d. h. die durch Ausfüllung des Eingusses und der Windpfeifen entstandenen Anhängsels, noch heiß abgeschlagen und deren Spuren, sowie Gußnähte, mit harten Gußeisen oder anderen groben Feilen weggefeilt oder auf dem Schleifsteine abgeschliffen.

Man läßt den gröberen Gegenstände die schwarz= oder bläulichgraue Farbe, welche sie von dem Gusse haben; feinere Stücke dagegen werden geschwärzt, entweder durch wiederholtes Anräuchern mit Kienholz und Reiben mit einer steifen Bürst, oder durch Bestreichen mit Lein= oder Nußöl, Erhitzen bis zum Verschwinden der Flamme und Bürsten. Man kann auch die Stücke dünn mit Leinöl bestreichen und 8 bis 10 Zoll hoch über einem Flammenfeuer an einen Draht so aufhängen, daß sie ganz in Rauch gehüllt sind; nach Verlauf einer Stunde, bis sie nahe an die glühenden Kohlen des ausgebrannten Feuers herablassen, nach einer Viertelstunde in kaltes Terpentinöl tauchen und endlich abtrocknen. Auch Leinölfirniß, mit Kienruß und etwas Indig versetzt, wird angewendet. Manche Gegenstände werden mit .... Hilfsmitteln abgedreht, ausgebohrt, befeilt und .... fein verzierte Stücke auch wol [sic] nachgravirt [sic] (ciselirt) [sic]...

Gut gelungene Eisenwaaren müssen von glatter Oberfläche, ohne Löcher, Blasen und sichtbare Poren sein, feine Gußnähte, reine Kanten, sowie scharf ausgedruckte Verzierungen haben. Geringe Dicke da wo sie nicht dem Zweck zuwider ist und davon abhängige Leichigkeit, sowie möglichst geringe, jedoch nicht in Mürbheit ausartende Härte und Sprödigkeit .... sind ebenfalls Vorzüge.“

Quelle: Hrsg. J. G. Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaft und Künste, Leipzig 1839, 32. Theil, 1. Section, „Eisen“, S. 404-490.





Stand: 06.07.2003  Impressum  Seitenanfang