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Eine filigrane Kunst - Schlesischer Eisenkunstguß im 19. Jahrhundert
Eine Ausstellung zu Ehren von Friedrich Wilhelm Graf von Reden

Eine gemeinsame Ausstellung der Stiftung Schlesien, Hannover und
der Kulturstiftung Schloß Britz  mehr Infos zur Ausstellung

Zur Technik des Eisengusses – Die Kastenformerei

1. Fertigung eines hölzernen Modells (Positivform): Zuerst wird eine genaue Abbildung des herzustellenden Gegenstandes aus Holz gefertigt. Dieses Positivmodell wird in der Mitte hälftig geteilt, so daß damit zwei Formhälften ( 1 ) hergestellt werden können. Soll das spätere Gußstück einen Hohlraum (z.B. eine Bohrung) enthalten, legt man in der Form an einer dafür definierten Stelle einen „Kern“ aus festem „Kernsand“ ein ( 2 ), der vom flüssigen Eisen umhüllt wird, beim Erkalten zerfällt und so den gewünschten Hohlraum hinterläßt. Der „Kern“ selbst wird mit Hilfe eines „Kernkastens“ ( 3 ) hergestellt.

2. Herstellung der Gußform (Negativform): Die Bildung der Gußform erfolgt in einem Formkasten, der aus einem Unter- und einem Oberkasten ( 2 ) – zwei genau aufeinanderpassenden, viereckigen Rahmen aus Eisen - besteht. Zuerst legt man das Modell mit seiner Schnittfläche auf ein Formbrett, und setzt den Unterkasten darüber. Der zunächst lockere „Formsand“ aus Quarzkörnern mit Bindeton, Trennmittel und etwa 5% Wasser wird in den „Rahmen“ und um das Modell herum eingefüllt und durch Stampfen und Drücken soweit verdichtet, daß er in sich tragfähig wird. Dann wird diese erste Formhälfte umgedreht, die zweite Modellhälfte mit Rahmen aufgelegt und durch eine lose Stiftführung mit der unteren Hälfte gegen Versetzen zusammengeführt. Die Formfüllung und Verdichtung erfolgt wie bei der ersten Hälfte. Anschließend hebt man den Oberkasten ab und nimmt die Modellteile aus dem Formsand. Etwaig entstandene Unvollkommenheiten im Sand werden ausgebessert. Zurück bleibt eine Negativform im Sand.

3. Das Eingußsystem: Wenn die Modellhälften aus dem Sand gehoben sind, bohrt man einen Eingußtrichter neben dem Oberkastenmodell durch den Sand und verbindet dieses „Loch“ durch richtig plazierte sogenannte „Anschnitte“ mit dem Formhohlraum im Unterkasten. Wenn nun Ober- und Unterkasten mittels der „Führungsstifte“ wieder zusammengelegt wurden, kann der Formhohlraum durch Eingießen des flüssigen Metalls durch den Eingußtrichter erfolgen. Diese Technik wurde während des 19. Jhdts. besonders für das Gießen von Medaillen angewandt. Um das Schwinden während des Gusses auszugleichen, muß das Modell um ca. 1% größer sein als das zu fertigende Gußstück. Für mehrteilige Modelle sind auch mehrere Kastenteilungen notwendig.

4. Das Gießen in die Formen erfolgte während des 19. Jhdt. meist nicht durch direkten Abstich aus dem Schmelzofen („Kupolofen“), wobei die Formfüllung meist über sogenannte „Gießkellen“ oder „Gießpfannen“ ohne Unterbrechung des Gießvorganges erfolgte. Daran hat sich im Prinzip bis heute nichts geändert. Wenn das abgegossene Stück erkaltet ist, hebt man die beiden Formhälften auseinander und nimmt das Gußstück aus dem Sand.

5. Abschließende Bearbeitung des Gußstückes: Das Gußstück ( 4 ) wird in der „Putzerei“ von anhaftenden Sandresten mittels Bürsten, Strahlen oder Reiben befreit. Die „Anschnitte“ mit „Eingußtrichter“ und der „Gußgrat“ der Formteilung werden durch Abschlagen, Meißeln, Feilen oder Schleifen entfernt.

Eisen (Ferrum), Fe, das nützlichste und verbreitetste aller Metalle.

Verwendung von gußeisernen Teilen: Maschinenteile, Kanalisation, Kanaldeckel, Öfen, Bauteile, Monumente und Kunstgegegenstände.

Historisches: Über die Verwendung des Eisengusses im Altertum, herrschen nur Vermutungen. In China hat man bereits 700 v. Chr. Eisen gegossen. Während des 14. und 15. Jhdts. fand Gußeisen zum Giessen von Geschützkugeln und Geschützen grosse Verwendung. Als Handelware verbreitete es sich im 15. Jhdt. Die Sandformerei im Kasten bildete sich seit der Mitte des 18. Jhdts. sehr aus.

Eisengiesserei ist der Inbegriff aller Verfahrungsarten zur Erzeugung von Gußstücken aus Eisen.

Schmelzen des Eisens:
Während des 19. Jhdts. wurde Eisen in Tiegeln, Flammöfen und Schachtöfen (Kupolöfen) geschmolzen. Kupolöfen fanden am häufigsten Verwendung. Dabei mußte eine Stunde vor dem Schmelzen ein Holzfeuer im Herd unter allmählichem Zuwerfen von Koks und Anlassen des Gebläses entzündet werden. Dann fand unter abwechselndem Schichten von Eisen und Koks das Schmelzen statt. Seinen Abschluß findet dieser Vorgang durch den Abstich in die Gießpfannen, bis die Schlacke abfließt.

Jeder Abguß erfordert die Herstellung einer neuen Sandform.

Herr Albert Winkelhoff (Eisengießerei Winkelhoff Gmbh, Berlin) hat dankenswerterweise die Textgrundlage von Martina Krause M.A. (Mitarbeiterin in Schloss Britz) redigiert.
Die Objekte 1-4 wurden von der Eisengießerei Winkelhoff Gmbh, Berlin, als Leihgabe zur Verfügung gestellt.




Stand: 06.07.2003  Impressum  Seitenanfang